08/11

08/11 – von rastow nach weitendorf – die winterwanderung 2016

nach der regenreise im letzten jahr waren wir uns einig, diesjahr erst im februar loszugehen, auch, weil die tage schon ein klein wenig länger sind…aber dieser blöde terminmist hat den erahnten strich durch die rechnung gemacht: die einzig mögliche winterwoche wurde in diesem jahr die zweite des januars, vom 10. zum 17.

auf die minute pünktlich entlässt uns die bahn in rastow. aus dem zugfenster konnten wir bis dahin nach dem speckgürtel pausenlos wassersattes ackerland betrachten und kurz vor ludwigslust fing es an zu regnen. uns schwante übles…aber da die feste bekanntlich gefeiert werden, wie sie fallen, schmälerte die wetterlage unsere vorfreude in keinster weise: es gibt ja passende kleidung.
der regen ist nicht sehr stark, es ist windstill und er fällt senkrecht in dünnen strippen auf die vereiste strasse, die uns aus rastow herausführt.
seit tagen schon temperiert es +/- gefrierpunkt; der asphalt ist ziemlich glatt, der bürgersteig an seiner seite auch. hinterm letzten haus zweigt unser feldweg nach norden. die annahme, dass das laufen jetzt einfacher wird, erweist sich als falsch: auch der feldweg ist in seinen spuren total glatt und auch dazwischen, selbst an seinen rändern ist das laufen nicht leicht! alles eis! mit regen drauf. pfützen sind gefroren, zerfahren oder -treten worden und wieder gefroren.

pünktlich wie die bahneisiger feldweg hinterm letzten haus in rastowes regnet aufs eisquer über´n acker ist besser als gedacht!

unser geplanter weg führt uns fast vollständig durch wald ans ziel. allerdings müssen wir erstmal ein wenig durch baumloseses feldland und über eine bundesstrasse und eine autobahn und durch goldenstädt, bis wir endlich im gehölz verschwinden können.
der direkte weg führt quer über winterbestellten acker, erscheint uns aber nicht gehbar – bis wir´s probieren: der acker ist auch gefroren und dank seiner schollen läuft er sich fast prima, auf jeden fall ist er nicht glatt und die schuhe finden feinen halt auf knorrigem mutterboden.
eine kleine eule trotzt dem wetter und erhebt sich erst als wir knapp 3meter vor ihr darob erschrecken vorher unentdeckt in den schwergrauen triefenden mittagshimmel. ich habe zufällig genau dahin gekuckt, wo sie sass und sie nicht gesehen! es ist phantastisch, wie die kreaturen dieser welt sich integrieren: sie sind alle da und stören nicht das bild, das sie malen und dessen farben sie sind; nur meine spezies kann das nicht, will das nicht und macht mich traurig vor ihrem migrantischem hintergrund.

die regenstrippen zwingen uns dann doch irgendwann in die wetterklamotten und verschlechtern das gehör unter ihrem gummiplastik so sehr, dass wir von hinten kommende fahrzeuge erst recht spät bemerken – aber es sind nicht viele…

regensattregensatt02wetterklamottenin die lewitz

wir sind in der lewitz! und nach goldenstädt öffnet sich diese fruchtbare moorentrissene flachlandschaft für uns in ihrer ganzen ebenheit: silberreiher lauern in grosser zahl (ca. 10) in blickweite auf futter, gänseschwärme überfliegen uns lachend und ein riesieger nutria mit fettem weissen bart rutscht in einen der moorentwässerer.
zwei bisamratten überlegen lange, ob sie unseretwegen den weg räumen sollen und tun das dann widerwillig, warten bis wir vorbei sind und kommen aus dem entwässerungsgraben wieder ihrer ursprünglichen beschäftigung am ufer nach. wir wissen nicht, welche das sein könnte…fressen wahrscheinlich.
und dann biegen wir endlich vom asphalt in den waldweg ein. und da steht ein auto, lada-niva. mitten auf unserem weg. “Jäger mit Berechtigung” steht auf einem pappenen schild von innen an die frontscheibe geschrieben.

die lewitzpause nummer zwei

wir machen trotzdem erstmal pause nummer drei auf unserem weg direkt neben des jägers gefährt an einer wegkreuzung, die auf unserem kartenmaterial nicht verzeichnet ist.
dieses material besteht aus einer 1:50000karte ab crivitz und in letzter minute gemachten googleausdrucken vom weg bis dahin, also der hälfte desselben. die sind aber nicht wirklich brauchbar…und eigentlich auch nicht wichtig: unser weg führt einfach nur nach norden, und freundfranz hat einen kompass am armband.
während wir noch überlegen, welcher der beiden sich bietenden wege der zu nehmende ist (keiner führt direkt nach norden), kommt der berechtigte zu seinem fahrzeug zurück, in selbes wettermaterial gekleidet wie freundfranz. der ist darob sehr erfreut: der fachmann kleidet sich in selbes material wie er – kann also nicht schlecht sein!
und der jägersmann ist ein sehr junger und trägt statt eines gewehres eine beobachtungskamera in seinen händen.
in nettem gespräch erzählt er uns von wildvertreibender holzernte in seiner jagdpacht und zeigt uns die bilder seiner kamera. ich bin etwas überrascht, dass es bewegte sind. “nur vier aufnahmen in drei tagen!” aber eine ist sehr schön: eine ricke wittert an seiner kamera, die an einem waldfeldrand an einen baum gebunden ist, vorbei, wenig später folgen ihr zwei kitze vorsichtig aus dem randwald.
und er weist uns den seiner meinung nach besten weg: “der andere ist total verwüstet von den harvestern, nehmt den da, da kommt ihr dann an einen grossen weg, links nach jamel, rechts nach friedrichsmoor…”
wir wollen weder das eine, noch das andere und wandern an benannter kreuzung einfach geradeaus.
über eine weide im wald, vor uns durch eine schranke gesichert, kurz dahinter ein im vorfrostschlamm der letzten tage bis zur radnabe versunkener treckerhänger.
am andern ende der gefrorenen lichtung ein zaun! alte und ersetzende pfeiler in wilder mischung halten drei reihen stacheldraht übereinander, ein elektrozaun steht davor. ohne strom weil ohne nutzgetier zum elektrisieren. der stacheldraht ist mit unstachligem an die pfeiler gerödelt – den kann man aufdröseln, rübersteigen und hintersich wieder zudröseln. so machen wir das! und sind dann wieder im wald. sehr schönem mischwald. es ist knapp 16uhr und wir schlagen unser erstes lager auf. es regnet nicht mehr, ist immernoch windstill und irgendwas um 0grad warm.

der empfohlene weg zum weg den wir nicht nehmenstacheldraht zum aufrödeln

zuerst werden die altemännerhocker aufgestellt und dann ein spirituskocher befüllt und wasser gekocht. davon haben wir gut 12liter bis hierher getragen: im wassersack und ich unprofessionell in plastikflaschen..
der franz hat noch einpaar überraschungen für mich an diesem abend: nachdem er meine frage nach der menge des von ihm mitgeführten rums bei einer ersten tasse desselben noch zufriedenstellend beantwortet hat wirft seine antwort auf die frage nach der spiritusmenge fragen auf: “´n viertel liter”.
? aber franz ist franz und denkt sich bei sowas was: “ich denk´, wir werden oft feuer machen”.
sprichts und tuts.
“und ausserdem hab´ ich brennpaste im sack, die wiegt ein bisschen weniger und kann nicht auslaufen…und den hoboofen hab ich auch bei…und noch so´n paar sachen”
‘na dann…’ denk` ich mir und freue mich auf das, was da noch kommen soll.
am fröhlich brennenden ersten feuer der wintertour 2016.

nach wohlverdienter rumnummer2 baue ich mein zelt auf und – nächste überraschung – franz nicht! er hat keins dabei: er schläft unter einer von ihm modifizierten plane. an diesem ersten abend als schrägdach mit überhang zwischen zwei bäume montiert…

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