bruchmuehle

http://waldhof-bruchmuehle.de/

kinder

haben viel länger ferien als erwachsene urlaub und einige von ihnen haben grosseltern, die mit ihnen in dieser mehrzeit lustige sachen machen oder verreisen oder beides…das geht manchmal gut, manchmal nicht. wenn aber nach so einer aktion die grossmutter das kind bei seinen eltern abliefert und beide nicht mehr aufhören wollen zu erzählen und zu schwärmen, dann muss es wohl sehr gut gegangen sein: “das war so schön! ganz viele katzen waren da, die konnte man alle streicheln, und die pferde auch und die hühner und die kaninchen…””und dann durfte ich reiten, ganz alleine!””und dann haben wir uns fahrräder genommen und sind zum see gefahren und der war ganz klar, und ganz viele fische waren da und ringelnattern und enten…””und überhaupt!””und dann war lagerfeuer und stockbrot und seeadler direkt vorm haus…”
und dann die oma zu den eltern: “das häuschen war sehr gemütlich, nicht mehr ganz neu aber sehr schön. frühstück haben wir draussen gegessen; wenn wir aufgestanden sind hing schon ein beutel brötchen an der tür. und die betreiber der anlage: also sowas von nett! mit denen würdet ihr euch bestimmt gut verstehen!”
nun ja, sowas passiert und mit der zeit vergisst sich die begeisterung und die erinnerung verblasst….

nicht so hier: das kind sprach danach ständig vom erlebten und strahlte dabei: “mama, ich will da noch mal hin!”
“mal sehen…”
“papa, ich will da unbedingt nochmal hin!!!”
“jaja…”
“papa!!!”

und so buchten wir dann ein jahr später vier nächte dort.
eigentlich war uns das zu teuer und eigentlich mieten wir niemals exklusive endreinigung und strom. aber wer kann auf dauer strahlendem kind widerstehen…
skeptisch fuhren wir hin. von der a19 abfahrt waren runter und dann nur noch ein stückchen feldweg…”na toll! das is´ja direkt an der autobahn!”
“das haus is´aber klein! und die dusche!….”
jaja, wer meckern will, findet immer was.

doch spätestens als der dreibeinige kater auf uns zugerannt kommt (nach 10minuten) ist alles prima! das haus ist nicht klein, sondern gemütlich!
ich denke, nur wer wirklich festen willens ist und eine ordentliche portion spiessigkeit mitbringt, kann sich dem charme dieser kleinen ferienhaussiedlung entziehen! wir nicht!: 10(?) kleine häuschen mit max. 4 betten verteilen sich auf dem gelände. einige waren in der ddr teil eines ferienlagers, einige sind etwas neuer. alle werden nachundnach renoviert, manche sind schon fertig. unseres noch nicht. macht aber nichts, uns gefällt´s in seinem alten holz!
mittendrin wohnt die betreiberfamilie und verbreitet gute laune, es gibt fast keine für gäste nicht zugänglichen bereiche – man gehört quasi dazu. schönes gefühl… schafe und hühner laufen durchs gelände und eine recht spaßige katzenbande. rundherum grasen pferde auf wirklich weitläufiger weide. mensch und tier machen allesamt einen sehr zufriedenen eindruck und das überträgt sich ganz fix auf uns und alltagsblödsinn und hektik verschwinden so schnell, wie ich das selten erlebt habe.
und die autobahn? ja, wer sich stark anstrengt, kann sie hören – aber zum anstrengen sind wir ja nicht hier..!

und dann haben wir uns fahrräder genommen und sind zum see gefahren und der war ganz klar, und ganz viele fische waren da und ringelnattern und enten…und dann war lagerfeuer und stockbrot und seeadler direkt vorm haus…
und der vater sagt zur mutter: “du frau, hier will ich unbedingt nochmal hin!”
und das kind sagt:”siehste!”

und so fahren wir denn im august 2016 ein zweites mal dahin. bis dato waren wir noch nie zweimal am selben urlaubsort.

2

jetzt issoweit: heute ist der 30.august016 und wir sind gerade vom zweiten bruchmühleurlaub zurück und finden das schade: viel zu kurz! der erste eindruck war also nicht falsch und hat sich mehr als bestätigt: es ist einfach schön im waldhof bruchmühle! angekommen sind wir am 25. und das erste was wir trafen war katze flocke. sie kam auch sofort zu uns, als das auto geparkt war und fing an zu schnurren: schön, dass ihr wieder da seid! (so bilden wir uns das jedenfalls ein…). lächelnde anja(?) aus ludwigslustparchim*, die hier für sauberkeit sorgt, bringt uns zu unserem haus 4: “ihr kennt euch ja aus, wisst bescheid…viel spass!” und wir sind wieder da: direkt neben dem haus die pferde, wohl einige mehr als vor einem jahr, dazwischen die schafe mit lämmern, also auch einige mehr. strahlender sonnenschein! dann zu den hühnern, kaninchen, meerschweinchen und wellensittichen: ein neuer stall wurde für sie gebaut. dem vater (also mir) gefällt der sehr: fein und simpel, genau sein ding. und auch die schwalben sind wieder in grosser zahl unterm scheunendach beim nachwuchsfüttern.
die “herbergsväter” begrüssen uns am abend persönlich, revierförster olaf sogar mit grossem paket**, seine frau mit fröhlichem lächeln, dass sehr ehrlich wirkt (falsches lächeln gehört zu meinem berufsalltag und ihres wirkte anders).
die fahrräder sind einen euro teurer geworden, haben aber auch mehr “persönlichkeit”: sie gehören diesmal nicht einem vermieter aus der umgebung sondern zum hof.
und weil die zeit hier 5tage keine grosse rolle spielt, verpassen wir die waldführung mit dem förster. das ist ein klein wenig ärgerlich, aber ich denke, das werden wir nachholen. am nächsten tag erzählt er vom wie bestellt erschienenen, schön zu beoachtendem fuchs. wohl, damit wir uns noch ein wenig mehr wünschen mitzuwandern?
dreimal reiten wir (die tochter auf moritz, der vater zufuss hinterher…) alleine durch den feinen wald vor der haustür. ich bin eigentlich nie wirklich ein freund von pferd (angsthase!) und reiten (elitär) gewesen, aber hier ändert sich das allmählich: hengst moritz ist ein unglaublich angenehmer zeitgenosse! um die dreissig jahre alt, kaum noch zähne (“wenn ihr ihm einen apfel geben wollt, müsst ihr den vorher kleinschneiden”), lässt sich dieses tier durch nichts aus der ruhe bringen und treibt mit reiter und begleiter seinen schabernack…manchmal hab´ ich das gefühl, dass er grinst! mir scheint, er is´ ´ne frohnatur und hat so seinen spass mit ahnungsarmen städtern, wenn sie nett zu ihm sind und mir schwant, dass auf dem rücken eines pferdes die welt schöner werden kann und glaube, das mal testen zu wollen. mal sehen, was die zeit so bringt…tochter ist jedenfalls begeistert (“papa, kann ich den mitnehmen?”), und wenn´s ihr gutgeht, freut sich auch die elternschaft…

ja und bei den vorbereitungen zu einem gruppenausritt hab´ ich dann noch ein gespräch belauschen dürfen:
“und von wo kommt ihr?”
“aus berlin, und selbst?”
“aus raum münchen”
“oh, das ist aber nicht gleich um die ecke…wie kommt ihr denn auf bruchmühle?”
“na, wir ha´m im internet nach günstigen reitmöglichkeiten für kinder gesucht und da haben wir das hier gefunden. ich hab´ einen schwager, der is´ clever und hat sich schon 1996 in nienhagen ein haus gekauft, als das noch günstig war. gleich an der ostsee. ich war damals schon mal da, aber das hat mir nicht gefallen, das war noch ganz schön osten. aber jetzt geht das schon hier, da is´ schon viel passiert, jetzt kann man auch hierhin fahren. schön zu sehen, wie alles voran geht!”
und ich denke mir: schade zu sehen, wie alles “voran” geht! als 25jahre im prenzlauer berg “lebender” hab´ich die vielgenannte gentrifizierung kennen und hassen gelernt, die “verschönende” kraft des westgeldes, die umwandlung vom gewachsenen zum eigentum, vom leben zum verdienen. ‘da gibt es was, was hip ist, da müssen wir dabeisein, da müssen wir uns einkaufen…’ – das müssen wir kaputt machen. berlin ist die angesagteste stadt des landes und nicht mehr zu retten, mecklenburg ist das schönste bundesland und hoffentlich stark genug, um sich wenigstens ein wenig zu erhalten…aber die chancen stehen schlecht.
für den waldhof bruchmühle ist diese entwicklung die sicherung seiner zukunft aber ich hoffe sehr, dass das lächeln von frau schwahn das glaubwürdige bleibt, dass ich zu spüren gemeint habe…

*als ich sie fragte, ob sie einheimisch ist, hat sie verneinend gesagt, dass sie aus eben ludwigslustparchim kommt, was für mich aber doch einheimisch ist
**das haben wir zum tochtergeburtstag in den waldhof schicken lassen


es war wirklich sehr heiss und trocken, sogar das moos im wald fühlte sich unterm barfuss an wie trocken stroh. das land brauchte dringend wasser. und das kam am sonntagabend mit der dämmerung; und wie so oft gleich übertrieben stark: gleich mehrere gewitter donnerten und blitzen fast aus dem nichts oder dem bekannten “heiteren himmel” gewaltige güsse auf wald und feld und uns.
heftig, aber doch nur kurz direkt über uns. danach dann aber noch die ganze nacht rundherum.
die luft nach regen und gewitter ist ja bekanntlich meist eine sehr frische und angenehme und nach diesem hier so dringend benötigtem nass so frisch und so angenehm dass ich beschliesse, noch ein bisschen durch die nacht und den wald zu wandern. ohne fotoapparat: die nacht ist mondlos und im wald eigentlich stockdunkel. nur mein klapphocker und zwei flaschen bier begleiten mich. ich kann nur auf den hauptwegen laufen da die durch ihre spuren aus hellem sand auch in der dunkelheit zu erahnen sind, die kleineren waldwege sind nicht zu erkennen.
es wird ein phantastisches schauspiel, dass sich mir da bietet: das wetterleuchten der gewitterfronten rundherum wirft grossartige momente in des waldes stockdunkel. von allen seiten, von ganz schwach bis blendend hell und dazu der donner im surroundsound.
wie sylvester, nur schön!
nun ärgere ich mich ein wenig, den fotoapparat nicht dabei zu haben: man kann das zwar nicht wirklich fotografieren aber ein video hätte ich machen können…und ich stelle mir das vor:
völliges schwarz, man hört nur das knirschen meiner schritte auf dem waldweg und den regen auf den blättern der bäume, dann vielleicht ein lauter werdendes gewittergrummeln erst von links, dann von rechts und lichtblitze im sekundenabstand, von links, von rechts, von vorn, von hinten…schwach und flackernd ohne einen erkennbaren zusammenhang zum grummeln. dann vielleicht kurz wieder nichts und dann zwei drei dieser explosionsartig hellen blitzlichter direkt über mir, so blendend hell, dass ich danach kurzzeitig gar nichts mehr sehe und dazu dann heftiger donner wie schläge auf eine pauke neben der man sitzt…ach ja…und im licht des ersten blitzes sieht man kurz einen schatten, eine silhouette, monströs mit leuchtenden augen, vielleicht ein abgestorbener baum…im zweiten blitz ist das dann weg…oder ein reh oder besser noch ein wildes schwein…durch das licht im wald verschwindend…und dann wieder völliges schwarz und man hört nur das knirschen meiner schritte auf dem waldweg und den regen auf den blättern der bäume.
nunja, schön wär´s, aber ich habe diesen film nicht gemacht, nur gesehen! und er war richtig gut und ein wenig unheimlich und sehr sehr schön!
wohl drei stunden bin ich durch diese grandios leuchtende stockdunkle nacht und ihren kräftigen warmen regen gewandert und ab und zu hab´ ich in ihr auf meinem hocker gesessen und fasziniert in sie hinein gelauscht und geschaut und gerochen und mich wirklich sehr klein und sehr gut gefühlt.
ein stück meines weges führte mich direkt an der autobahn entlang und selbst die war in dieser nacht schön anzuschau´n: der regen hat nebel in das land gebracht und mein weg lag etwas tiefer im tal als die autotrasse und die wenigen fahrzeuge auf ihr brachten erstaunlich weiches licht in den dunst über meinen weg und färbten die nacht hellgrau und malten rote und gelbe streifen in ihren frischen atem…

gegen mitternacht bin ich im bett und freue mich zu sehen, dass der dreibeinige kater da schon liegt und mir wieder mal wenig platz gelassen hat.
für kost, logis und taschengeld wurde ich der hausmeister der ferienanlage und als der wecker klingelte freute ich mich auf anstehende reparaturen in den bewohnten ferienhäusern: es macht spass, mit den gästen ins gespräch zu kommen und nebenbei die regenrinne abzudichten und in die jahre gekommenes inventar zu leimen oder schrauben…danach werde ich dann noch das tor zur pferdekoppel wieder gangbar machen, dem trecker die reifen aufpumpen und den neuen stall mit holzschutz streichen…
und dann klingelt der wecker.
etwas verwirrt erwache ich aus diesem interessanten traum gegen 5, lass´ den kater raus und die weisse katze rein und mache mich auf den weg in den sonnenaufgang am gestern “entdeckten” pätschsee:

http://waldhof-bruchmuehle.de/

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.