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holthusen – sülstorf – rastow – lüblow: zwei tage beim weissen hirsch


tag 1: holthusen – sülstorf – rastow

(begangen am 27.3.20,                          )
um 04:01 die schicht begonnen habe ich meinen zug pünktlich um 12:37uhr in den feierabend gestellt und tausche dienst- gegen wanderklamotten in meinem führerstand und lasse mich mit gleichem gefährt vom kollegen um 13:24 nach holthusen fahren. um 14:10 uhr bin ich da und steige aus und gehe los.

im wanderrucksack hab ich den arbeitsrucksack drin und zwei flaschen wasser, regenjacke und noch ein wenig kleinkram mehr, als ich wirklich brauche. und so soll das sein, ruhig etwas schwerer, als nötig…kann ruhig ein wenig anstrengend werden.
das wetter ist grandios für ende märz: volle sonne aus blauem himmel, kein wind…schon nach hundert metern ziehe ich meine jacke aus und bin im t-shirt unterwegs. hier in holthusen zweigt mein fahrweg von der magistrale rostock – hamburg ab richtung ludwigslust. also wenn man sich die streckenkilometrierung ankuckt zweigt eigentlich die strecke nach hamburg von der nach ludwigslust ab – aber so sieht´s nun mal nicht aus und ich wandere entlang des abzweigenden gleisbogens die einzige nenneswerte kurve des geplanten halbtagesmarsches auf selten genutztem weg entlang mit weitem blick übers flache land an trockener feldfrucht vorbei richtung sülstorf. links vom gleis.
wo der bogen wieder zu einer geraden strecke wird gibt es einen bahnübergang und danach gehe ich weglos über noch unbestelltes feld und bald auch durch einen kleinen randwald. wo der beginnt liegt ein blauer plastikstuhl im gras unter den ersten bäumen. den stelle ich mir auf und mach ´ne kleine pause. war so nicht geplant, aber wenn schon mal ein stuhl da ist…

durch den wald der weg an gleises seite soll wohl gar kein weg mehr sein, eher so´ne art feuerschneise. also ein weg, der beackert wurde um seine struktur zu lockern oder eher zu zerbröseln, vielleicht auch, um pflanzen die ansiedlung zu erleichtern und den weg irgendwann verschwinden zu lassen? ich kann mir das nicht so richtig erklären, aber es läuft sich sehr bescheiden auf diesem grund. fahrzeugspuren bieten ein wenig trittsicherheit, sind aber meist zu schmal für gemütliches vorankommen. aber das ist nur ein kleiner wald und jener weg eben auch nur kurz und nach dem wald wieder so, wie davor.
nur wurde ab hier jetzt eine vielleicht 30cm hohe plastene barriere zwischen ihn und den schienenstrang gestellt. auch die kann ich mir nicht wirklich erklären. erst denke ich an amphibienschutz, aber dann sollten doch in regelmässigen abständen löcher mit eimern an der barriere sein, in die zu schützendes getier zu seinem schutz reinfallen soll? is hier nicht so; nur plastikplanenbarriere.
dann trifft aus feldes richtung ein gut ausgebauter und sichtlich auch benutzter weg auf meinen. den hätte ich schon von holthusen aus begehen können, aber ich wollte ja am strang lang – und so nehme ich den erst ab hier. bis sülstorf führt der mich und danach auch noch weiter. von besagtem dorf ist auf dieser gleisseite nicht viel zu sehen. nur ein einzelnes gehöft umkurvt mein weg und dann vorbeit er noch an einer recht gepflegt wirkenden gedenkstätte dessen tor von einem davidstern dominiert wird, weshalb ich weltkriegerisches unrecht an dieser stelle vermute. das interessiert mich jetzt aber ziemlich gar nicht…und ich fotografiere noch das alte bahnhofsgebäude und bin dann auch schon durch durch sülstorf.

eine strasse kreuzt bald darauf meinen weg und auch den schienenen. hier könnte man bequem die gleisseite wechseln, was ich aber erst morgen machen möchte. heute bleibe ich links und bin gerade an einem “Nichtöffentlichem” und an mit giftigem Pflanzenschutz behandelten Tannenbäumen vorbei, als ein kollegenzug mir entgegenkommt. und das bedeutet, dass ich jetzt ca. eine stunde unterwegs bin und noch ungefähr zwei stunden habe um am zielpunkt meines tagesplanes in den nächsten einzusteigen. ich bin jetzt in streckenkilometer 50,2, mein ziel in km 44,6…und mir wird klar, dass ich zu schnell unterwegs bin und werde deutlich langsamer und beschliesse ein zweite pause in km 48,8. es gibt wasser, keks und zwei zigaretten.
inzwischen wächst beidseitig der gleise wirtschaftswald und in sichtweite steht das einzige haus weit und breit direkt am gleis mitten in dieser holzfabrik (deren produktive nutzung mir aber deutlich runtergefahren scheint)…manche leute wohnen aber auch spannend!
bis zu einer strassenbrücke über den strang führt mein weg noch an selbem lang, dann zweigt er 90gradig von ihm weg. so muss ich ihn denn verlassen um illegal unter der brücke durch und danach kurz durch waldesrest wieder weglos über noch unbestellten acker rastow zu sehen. den zielort.

‘rastow…hmm, rastow…da war doch was…?!’ ich spüre förmlich, wie er grübelt, der aufmerksame leser…ja! da war was: in rastow begann 08/11 – die legendäre winterwanderung 2016. sehr aufmerksam, aufmerksamer leser; gut aufgepasst!

abgezäuntes weideland zwingt mich kurz ziemlich dicht am gleis entlang, warnwestendicht eigentlich. aber dank einsichtbarkeit des schienenweges durch ebenheit und kurvenlosigkeit verzichte ich auf die bewarnwestung und finde mich nach diesem wahrlich kurzem nadelöhr wieder sicher weglos an feldrand entlang bald auf alter ebenheit vergangener bahnaler mehrgleisigkeit wieder in sicherer entfernung vom aktiven schienenweg.
holla, welch ein satz!
ein eingezäuntes feld solarpaneele als nächste stufe des versuchs der alternativen energieprofitierung (nach auch noch sichtbaren windrädern) passiere ich und freue mich dabei über den fortschritt, den wir machen: erst das windrad, dass jetzt, nach 20 jahren förderung ausgedient hat und nun hoffentlich bald umfällt und jetzt das sonnenenergieeinfangsmodul, eingezäunt und videoüberwacht. es geht voran! ich finde das wirklich gut! ich bin optimist und glaube an das gute im kapitalisten!
den alten bahnhof rastow fotografiere ich und bin dann gut 15 minuten, bevor mein heimreisezug da ist, am neuen. kein empfangsbebäude sondern ein wartehäuschen, dreisetig verglast, zur wetterseite offen mit metallenem sitzgitter lädt (nicht wirklich) zum verweilen ein. irgendwer hat drauf sitzend heftig davor geault und ein fleck widerlichen auswurfs verschmälert das vergnügen des wartens erheblich…aber dann kommt er: mein kollegenzug.
und bringt mich sicher nach haus´.

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