WMOI-WLST

moidentin – bad kleinen – lübstorf: an ufern lang; durch kindertage

(begangen am 13.11.19,                          )

der geplante zug verlässt wismar um 8:24uhr.
ich nehme ihn nicht; ich hab heut frei! und der nächste fährt in zwei stunden. und mit dem bin ich für nur 3,9euro 2 stunden und 10 minuten später in moidentin und überquere mal wieder den “Privatübergang Nur für Berechtigte”. diesmal aber mit reinem gewissen: als einem zug entstiegener muss ich einfach berechtigt sein, den einzigen abgang vom bahnsteig zu benutzen!

und so bin denn auf dem weg. nach lübstorf. dem vorhaben, dem schienenstrang zu folgen, wird diese etappe nur bedingt gerecht: auf grund der grandiosen gegend folge ich heute vielmehr den reizen der selben… und meiner hier verbrachten kindheit… und schweife ein wenig ab…
und zwar da, wo der wallensteingraben den lostener see verlässt. diesmal also nicht über das fliessgewässer sondern am linksseitigen ufer des sees entlang.
es ist recht frisch, vielleicht 5grad warm, die sonne strahlt bescheiden aus dunstigem himmel aber wirft grandiose lichteffekte in den wunderbunten herbst am wegesrand…

…am ufer des lostener sees.

der uferweg entfernt sich dann am ende des sees von dessen rand und und trifft auf einen grösseren, wichtigeren …und ist dann kein uferweg mehr…
aber nur kurz muss ich den fein ausgebauten waldweg wandern weil gleich wieder ein kleiner pfad sich von ihm zweigt der um den sumpf, den der wallensteingraben vor eintritt in den lostener see sich erschaffen hat, da, wo der buchen- in einen erlenwald sich wandelt entlang wieder zum fliess hin führt, und über eine brücke auch drüber. gern ginge ich an fliesses rand dorthin, wo in den see geflossen wird, doch leider ist es ziemlich sumpfig da und ich werde wohl warten müssen, bis winterkälte irgendwann mal frostige härte dorthin bringt… und überhaupt ist der bei der letzten etappe geplante plan, den gesamten graben mal abzuwandern, wohl einer für einen harten winter: dieses grandiose flache fliessgewässer entzieht sich an vielen stellen sehr gekonnt dem wanderwilligen durch randsumpf und furiosen uferbewuchs.
und während ich das feststelle entspinnt im kopf sich eine neue idee: vielleicht einfach nicht an ihm sondern in ihm lang? das hätte den vorteil, nicht auf einen richtigen winter warten zu müssen….
ich bin sehr gespannt, was daraus wird!
und glaube bald: ich will beides!
…und fotografiere noch ein wenig an und auf der schadhaften brücke und pfadfinde mich dann wieder zum grossen wichtigen hauptweg durch den herbstwald zurück. kurz bevor der sich der landstrasse 031 von hohen viecheln nach bad kleinen geschlagen gibt, treffe ich ihn und stelle mich umdrehend fest, dass ich auch hätte auf einem pferd hier lang gedurft! naja, vielleicht das nächste mal.

so wandere ich dann kurz auf asphalt bis zur brücke über den (ihr ahnt es schon:-) wallensteingraben!
und wieder versuche ich, seinem ufer zu folgen. ich steige vor der überführung zum grabenrand hinab und begehe anfänglich verheissungsvolle pfade bis ich mal wieder versumpfe! und drehe um.
geiler bach!!!
doch jenseits der brücke ist da plötzlich ein weg! nur schmal. aber mit markierung! also offiziell! was für eine entdeckung!
anfänglich folgt er dem flusslauf soweit von diesem entfernt, dass man ihn nicht sehen kann. doch dann!
…ist er plötzlich wieder da! der bach; im herbstenen wald.

und bis zum damm der zweigleisigen bahn von rostock nach bad kleinen oder auch hamburg kann ich ihm problemlos folgen! an dieser stelle, auf dieser seite des bahndamms war ich bisher noch nie, aber auf der anderen wartet grandiose kindheitserinnerung auf ihre wiederbelebung. aber erstmal muss ich rüber über diesen damm, der in meiner erinnerung ein unüberwindbarer war.
und ich bin nicht wenig überrascht, wie leicht das ist: der weg steigt steil aus dem tal des baches und ist dann einfach so auf gleichem höhenniveau wie der bahndamm! und schwupps bin ich drüber! und auf der anderen seite auch wieder unten am bach! und der abstieg ist nichtmal besonders schwierig, weil viel, viel flacher, als gedacht.
nun ja, meine erinnerungen sind 40jahre alt und grösse ändert sich wohl im laufe der zeit…

in meiner bengelzeit war hier der aalfang, eine einrichtung zum fang von fischen, deren funktionsweise ich nie verstanden habe. aber auf jeden fall fing ich hier die ersten fische meines lebens, mit einem stock und einer orangen plastenen angelrolle für 5ddrmark, die ich mit isolierband an ihn geklebt hatte. genau wie die ringe für die führung der angelschnur von der rolle bis zum ende des stocks. der war wohl 2meter lang und ursprünglich der ast einer weide, am unteren ende nur unwesentlich dicker als am oberen, ca 3zentimeter. am rand des aalfangs war, warum auch immer, ein quadratisches, betonnenes loch, also ein schacht mit rohren, die in ihn mündeten. heute denke ich eine art überlauf zur wasserstandsregulierung wenn sich zu viel unrat im eigentlichen fanggerät gesammelt hat? keine ahnung, 40jahre her. jedenfalls konnte man da reinkucken, wenn man sich getraut hat, die umzäunung der anlage zu besiegen und da waren fische drin! die waren nicht besonders gross, aber da! und ich wollte sie fangen! 7jahre war ich damals alt. meine mutter unterstützte den plan indem sie einen feinen teig zubereitete, den ich an meinen riesigen angelhaken knetete. nur, die fische ignorierten den leckerbissen! ich weiss nicht mehr genau, wieso, aber irgendwann piekte ich einen regenwurm auf den haken und fing mit diesem einen wurm fünf! von diesen fischen! der grösste war wohl 15zentimeter lang. es waren barsche. und die mutter bereitete mir aus diesem stolzen fang ein mahl!
arme fische, tolle mutter!
die fischfangeinrichtung ist nicht mehr da, stattihrer ein metallen-plastenes hinweisschild mit einem foto von ihr und bemerkungen über die bedeutung dieses ortes schon vor langer, langer zeit. und eine neue brücke. und ich drapiere mich unterhalb derselben mit blick auf den bahndamm, der von hier aus doch immernoch ziemlich hoch scheint und warte auf einen zug, der da drüber fährt. für ein anschauliches foto.
gefühlt drei stunden, tatsächlich wohl eine halbe. kein zug fährt vorbei auf der magistrale von rostock nach hamburg!
eine frau mit hund, der garstig zu bellen anfängt, als er mich entdeckt, ist das einzige, was passiert.
ich muss nicht erwähnen, dass gleich zwei eisenbahnen über meinen ansitz fahren gleich nachdem ich mich entschlossen habe, ihn zu verlassen?
nunja, wieder was für´s nächste mal…

und ich gehe wieder einen uferweg an einem ufer, das man nicht sieht. und wieder ist der grund dafür moorig. geil! der schweriner see ist jetzt mein begleiter. oder ich seiner, wie man mag.
das nächste touristische highligt ist die schwedenschanze, wieder ein ort, den ich aus bengelzeiten kenne und immernoch nicht begreife. aber is egal, gibt genug sachverständige für sowas. ich wandere jetzt auf asphaltiertem fahrradwanderweg den zweitgrössten see der ddr entlang zu seinen gestaden. am ort wo die nattern wohnen vorbei zur badestelle bad kleinen. da, wo der bengel viel spannende zeit verbracht hat, trifft sein weg jetzt endlich auf das ufer des schweriner sees. und kormorane auf abgeschlossenem badestellensteg.
als der plan entstand, diesen weg zu gehen, habe ich auf windstille und spiegelglattes binnenmeer gehofft und treffe jetzt auf windige herbstböen, die den see akustisch meerig machen und finde das mindestens genausoschön! und anfangs erwähntes diffuses sonnenlicht tut übriges… es ist ein wahres vergnügen, diesen weg aus kindertagen als gereifter zu laufen.

links der see, rechts der bahndamm eine turmhohe böschung voller brombeerpflanzen und heimat der für mich grössten vorstellbaren eidechsenpopulation. damals.
und auch heute noch der weg zum eiertunnel.
und der is ja nu wirklich cool!

die treppen zum tunnel steig ich hoch, gehe einmal durch und nochmal durch zurück zu den treppen. da wieder runter und weiter am seeufer zum bierbauch, neudeutsch: bierbug. das ist ein hügel, der sich vom bahndamm zum seeufer wellt und dunnemals DER rodelberg von bad kleinen war! wat ham wir da für wilde winterstunts “gedreht”! damals, als es noch richtige winter gab. erst mit schlitten und dann mit gleitschuhen. kennt noch jemand gleitschuhe? wenn man gut war konnte man vom bierbauch runter bis auf den see wintersporten, wenn der denn fest gefroren war. wenn nicht, wars richtig abenteuer! in meiner erinnerung war der weg, der sich heute zwischen bierbauch und see breit macht nur ein schmaler pfad und das ufer da hinter viel weniger bewachsen und der rodelhügel viel viel steiler. und höher. und total gefährlich! oder ich einfach kleiner?
keine ahnung, ob´s die kneipe damals auch schon gab…heute ist sie leider zu, lädt aber fürs nächste wochenende zum tanz…schade, schade, dass ich da nicht dabei sein kann…
und wandere weiter zur badestelle von gallentin und lerne den wassergeist hajo kennen. netter typ!

und weiter führt der uferweg mich herrlich herbstbunt bis nach willigrad.
als im vorfeld dieses ausflugs ich bekannten von ihm erzählte sagten diese: “da kommst du dann ja auch in willigrad vorbei. da ist es schön! richtig schön! da war´n wir schon mal, die ham da alles fein restauriert und richtig ordentlich gemacht! ein total schöner park! und sehr gepflegt! und ordentlich! das ist wirklich richtig schön da!”
jaaaaa und wenn ich sowas höre, ahne ich schlimmes…und werde nur wenig enttäuscht.
vom uferweg zweigt ab der “Europäische Wanderweg E 9 A” und als ich später recherchiert habe, stellte sich heraus , dass das ding 5000(!)kilometer lang ist! und ich heute wohl schon eine weile auf ihm wanderte…also nach meinem jetzigen verständnis zweigt nicht der wanderwg vom uferweg ab, sondern andersherum jetzt hier am hinweisschild der uferweg vom wanderweg. wie bin ich bloss auf diese magistrale geraten, ohne es zu merken? und wo? also erst, als ich sie verlasse, merke ich, dass ich auf ihr war. sehr eigenartig…aber schön! denn jetzt wird der uferweg richtig urig. alle wandern wohl den rechten weg, nur ich nicht, ich nehme den, den ich schon als bengel ging und stelle ein wenig irritiert wohl fest, dass ich immer falsch gelaufen bin; 40 jahre später. wohl führt der europäische direkt zum schloss und meiner nur am see entlang, kulturlos! ich bin wirklich irritiert!
und mein weg wird plötzlich viel spannender: er ist nicht mehr beräumt: bäume oder äste, die gefallen, sind liegengeblieben, matschig wird der untergrund, freudig hüpft das herz, noch bunter wird der herbst. und dunkler wirds, aber das liegt an der tageszeit: es wird gleich drei, und die dunstige sonne schafft es nicht mehr wirklich genug licht in mein objektiv zu werfen und so muss ich mit iso und belichtungszeit in ungewollte höhen. das licht war den ganzen tag schon grenzwertig, aber jetzt wird´s schwierig und ich hab noch gut drei kilometer bis zum bahnhof…
je dichter ich dem schlosspark komme, desto unwegsamer wird der weg, und als krönung ward da, wo der park beginnt, gefallenes geäst zum hauf getürmt und macht den weg recht sportlich! wohl soll das leuten, die im park schon sind die lust am uferweg vermiesen und zum europäischen sie führen, vermute ich. aber ich komme von der anderen seite und überklettere alle hindernisse und bin dann endlich da! im schlosspark willigrad; und freue mich über die am parkeingang aufgestellte begrüssungsbeschilderung und weiss jetzt endlich, was ich nicht darf.
der weg durch den park ist schön eben und glatt, wie eigentlich alles vom park, was ich sehe…wirklich richtig schön. und glatt. und ordentlich und gepflegt. und als ich endlich durch sagt mir gleiches schild, wie am eingang auch am ausgang wie ich sein soll. und darüber freue ich mich sehr.

aus dem park heraus folgt der uferweg, wer hätte das gedacht, weiter dem ufer des schweriner sees, entfernt sich dabei aber, dem uferverlauf geschuldet, weit vom schienenstrang, dem ich ja eigentlich immer noch folge….
und so verlasse ich denn den ufernen und steige die doch recht steile seerandböschung weglos durch den buchenwald, der sie bewächst in die, wie ich glaube, direkte richtung zum bahnhof lübstorf. das ist ein klein wenig anstrengend, aber soll es ja auch sein.
matschgefüllte waldarbeitsfahrzeugspuren erschweren das vorankommen, aber ich weiss ja genau, wo ich hin will und dann gehört sowas nun mal dazu…
doch wie überrascht bin ich, als ich aus buchenwaldes unterholzdickicht auf eine asphaltierte strasse treffe, die in fast exakt 90grad meinen weg schneidet….!das kann nicht sein! hier kann keine strasse sein! und ich ignoriere diese vorhandene tatsache und geh da rüber weiter stur meinem kopfplan folgend geradeaus….und treffe 10minuten durch wüstes matschgrundiges niederholz später schon wieder auf diesen asphalt!
und da stehen zwei autos und davor zwei nicht junge damen in gerede vertieft und die frage ich denn, wo diese strasse wohl hinführen mag: “da nach willigrad, da nach lübstorf” und ich glaube ihnen und gehe nicht richtung willigrad, denn da komm ich ja grade her,
und der kompass in meinem kopf, auf den ich eigentlich recht stolz bin, pegelt sich langsam wieder ein und ich erkenne meinen irrtum…nur verstehen tue ich ihn nicht. was ist los in des alten mannes birne?
und ich gehe den asphalt und verlasse ihn paar hundert meter weiter wieder quer in den wald, weil ich jetzt wieder genau weiss, wo´s zum bahnhof geht…
und da in randwaldes mitten steht ein bockreh (insider für rehbock) und sieht mich an und rennt nicht weg, wie die das sonst immer tun. schade, dass es schon so düster ist. ich kann meinen fotoapparat direkt auf ihn richten, und er rennt nicht weg! machen die sonst immer! der hier kuckt mich an und scheint genauso interessiert, wie ich und rennt einfach nicht weg! zwischen uns sind nur 50meter! und so denke ich mir, dass hier irgendeins von den unerklärlichen kosmischen phänomenen bei mensch und tier für verwirrung sorgt und bin nicht mehr besorgt ob meiner kurzzeitigen orientierungslosigkeit und warte nur 5minuten später 5minuten lang auf meinen zug und schaffe es nicht mehr, mir eine fahrkarte zu kaufen und suche erfolglos im zug den kontrolleur und finde ihn nicht und fahre unruhigen gewissens kostenlos nach wismar zurück und denke mir, dass auch der kontrolleur verwirrt sein muss und hake meinen aussetzer als höhere gewalt ab!
puh! glück gehabt!
und nach nur knapp sechs stunden bin ich zurück von diesem ausflug und schreibe jetzt schon viermal solange an diesem bericht. komische gewalt! denke ich

fazit

ein wirklich schöner weg an ufern lang und zum nachwandern gut geeignet! (wenn man bereit ist, illegal eine zweigleisige befahrene bahnstrecke zu überqueren)

fazit 2

wenn man wie ich ohne karten und vor allem ohne neunormale digitale navigation unterwegs ist darf man sich von unerwarteten topographischen vorkommnissen nicht irritieren lassen. (hätte ich die querende strasse weiterhin ignoriert wäre ich auf meinem gedachten weg genau da gelandet, wo ich wollte)

fazit 3

der weg ist leicht zu gehen und macht nur wenig muskelkater aber dafür richtig spass!

>>>>>>>>>> weiter lang am strang: lübstorf – schwerin >>>>>>>>>>

 

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