platt

140115

wenigstens sind wir ausgeschlafen und der nächste tag beginnt relativ früh. durch die bäume umunsrum ist sonne zu sehen! und es regnet nicht! die sonne ist nur kurz da und eben auch nur zu sehen, nicht zu spüren und der regen, der jetzt zwar nicht mehr aus den wolken aber doch noch von den bäumen auf uns fällt, hat viel von seiner substanz in das rüstzeugs abgegeben: als ich das zelt in seinen sack zwänge wirkt der wie eine auswringhilfe auf hausfräulichen wischeimern: das wasser fliesst! und das zelt ist mindestens doppelt so schwer, wie´s sollte. auch mein schlafsack ist voll kondens und schwitz und klamm und schwer…nass! das zelt zwei tage stehenzulassen war vielleicht nicht die beste idee; es hat sich sehr seiner umgebung angepasst. bei franz sieht alles gut aus; sein neues zelt hat sich bewährt.
wir machen uns auf den weg nach gerdshagen, kurz davor biegen wir richtung lähnwitz in einen angenehmen weg. ein schöner blick über den lohmer see nach lohmen muss festgehalten werden; zwar diesig und düster aber schön.

vor gerdshagen nach linksweide(n) am wegzwar diesig und düster aber schön: blick zurück über den lohmer see nach lohmensturmschaden

wir überqueren die l11 und bewegen uns auf altbekanntem (schon 2mal begangenem weg) mit einer kleinen rast am abzweig nach garden mit deutlich spürbar schwererer rückenlast durch wiedereinsetzenden feinen niesel bis lähnwitz.

eine kleine pfütze auf dem weg...abzweig nach gardenrastender wandererkurz vor lähnwitz

am lähnwitzer see biegen wir richtung woserin ab und folgen dem weg durch lichten wald bis zum “drögen kraug” (dem aufmerksamen leser sicher schon durch den reisebericht 2013 bekannt..:-). und an diesem historischen rastplatz mit seinen neuen bänken und schutzdächern passiert es dann: die sonne scheint! circa ´ne halbe stunde lang ist es hell und richtig feines wanderwetter! wir wandern aber grade nicht, wir machen pause! schliesslich sind wir ja an einem rastplatz! und als das knäckebrot gegessen, der tee getrunken und die zigarette geraucht ist auch die sonne nicht mehr da und wir durch offenes ackergelände und meist auf altem asphalt unterwegs nach bolz.

die sonne scheint am drögen krauggleich is´se wieder wech, die sonne

am rastplatz fiel eine recht grosse wilde feuerstelle auf und ich frag´mich: ‘wer traut sich sowas mitten im naturpark, meilenweit zu sehen?’ “jäger” meint franz “die ‘dürfen’ alles””also genau die leute, die uns am liebsten im gefängnis sähen, wenn wir ein feuer machten?” vielleicht, – vielleicht war´s aber auch die einheimische jugend auf abenteuertour, oder vielleicht hat gar keiner was dagegen? ging ja früher auch! und vielleicht ist ja ein jäger auch jemand, der sich gern zu uns ans feuer setzen würde? es gibt immer solche und solche und auch solches und solches und wir werden wohl nie erfahren, wer da am drögen kraug sein süppchen kochte und dabei vielleicht über leute, die im januar bei sturm und regen ohne feuer zu machen durch den wald schleichen voll unverständnis den kopf geschüttelt hat.
jedenfalls sind wir jetzt wieder auf wegen unterwegs, auf denen auch autos fahren. eins davon ist gelb und im besitz der deutschen post und kommt uns aus bolz entgegen. in ihm eine frau die uns wild zuwinkt und echt erfreut zu sein scheint, uns zu sehen…wir freuen uns auch, sind aber auf die schnelle zu verwirrt, um zurückzuwinken. was war denn das?
die strasse liefe sich wohl ganz gemütlich wenn sie nicht so viel “steigung” hätte, die die “wassersäcke” auf dem rücken noch schwerer macht, als sie ohnehin schon sind…auch das wetter scheint kurz gemütlich zu werden…bis es wieder dunkler wird. und wieder regnet. ein blick zum bolzer see zu unserer linken lässt erahnen, dass da wohl noch was kommt von oben.

alter asphalt nach bolzein blick zum bolzer see lässt erahnen, was da noch kommt von oben...

wir sind kurz nach 4 in bolz – es wird also gleich wieder dunkel oder besser: lagerzeit (dunkel is´ja schon seit sonntag..). wir müssen also wieder wasser besorgen.
es gelingt uns nicht, jemanden auf der strasse zu treffen: das dorf ist wie tot – aber bei dem wetter muss man ja auch nicht unbedingt den garten umgraben. im ort ein teich mit bank für unsere säcke entdeckt und benutzt klingeln wir an der ersten tür. ausser dem wildbellenden nachbarshund gibt es keine reaktion. nagut, klingeln wir eben bei ihm. erstaunlicherweise zieht er den schwanz ein und flüchtet vor uns, als wir uns ihm nähern und bellt erst wieder aus sicherer distanz. selbst der dorfhund is´nich mehr, was er mal war…aber die tür wird geöffnet und wir kriegen unser wasser. es ist tatsächlich wieder warm! “…bei dem wetter unterwegs?””tja, als wir unseren urlaub beantragt haben, sind wir auch von schnee und sonne ausgegangen…man muss die feste eben feiern…””…wie sie fallen, das stimmt wohl. na denn viel spass noch…”
ein bus fährt ins dorf und enlässt zwei schülerinnen an ihren facebookaccount und auf der strasse bewegt sich jemand ziemlich langsam aus bolz hinaus…is´doch nicht so tot hier.
ein fast voller zehnliter-wassersack als zusatzgepäck macht sich deutlich bemerkbar – franz muss mir beim sackaufsetzen helfen!
das land vor uns ist offen und waldlos, aber in unsrer richtung finden wir auf der karte nahe mustin einen see in dessen ufergehölz wir hoffen, unser lager zu schlagen, gut 1kilometer entfernt.
wir überholen die langsame person und können nicht feststellen, ob sie männlich oder weiblich, nur dass sie alt ist. sie erzählt oder singt leise vor sich hin und wirkt auf uns ein wenig zerstreut wie sie fuss vor fuss setzend den regen ignoriert…aber wer weiss, wie wir auf aussenstehende so wirken.
der mustiner see ist durch die strasse nach bolz zweigeteilt mit nur einer schmalen verbindung unter einer brücke ebendieser strasse.
wir gehen am ostufer des nördlichen seeteils über wassersatten acker und erkennen zu unserer freude einen um die 10meter breiten licht bewachsenen uferstreifen zwischen see und feld; mit einen wohl 2meter steilen anstieg zu letzterem. der verspricht neben dem bewuchs noch zusätzlichen schutz vorm wind. wir gehen die böschung runter und sind erstmal sehr angetan von unserem lagerplatz: relativ eben mit einer schicht alten laubs kann man hier gut zelte aufstellen; böschung und schilf bieten guten sichtschutz zu allen seiten.
ein echtes lager am see! ein traum…
auf dem see ist reger betrieb: reiher und enten zanken sich oder unterhalten sich, wer weiss… auf jeden fall ist dieses typische stockenten naak, naak, naak…, das immer so ein bisschen wie schadenfrohes lachen klingt, laut über den see zu hören. sehr angenehm.

entenaudio (bisher leider kein passendes gefunden..:-)

als die zelte stehen und mein schlafsack auf der matte im zelt liegt setzt der regen kurz aus. ich öffne alle lüftungsklappen und den zelteingang in der hoffnung, dass der frische wind, der um uns weht ein wenig nässe aus dem sack bläst…tut er nicht, er bläst stattdessen wasser von den bäumen um uns rum…ins zelt. egal, tür wieder zu, wird schon irgendwie gehen heute nacht mit dem nassen sack. jetzt gibts erstmal tütenlinsensuppe mit würsten und teemitrum.
auf dem weg dem regen noch mit normalen klamotten getrotzt zwingt der jetzt wiedereinsetzende uns in die ponchos…wenn man sich nicht wirklich bewegt ist das doch besser: trockener, wärmer. und unpraktisch.
ich hab noch eine bisher unbenutzte baumarktplastikplane im rucksack und überlege, diese irgendwie zwischen die bäume über uns als schutzdach zu spannen. jedenfalls pack ich die mal aus und lege sie erstmal zwischen ü40hocker und zelt hinter mich: das wasser kocht und deshalb muss der planenplan noch warten. als die tassen gerade gefüllt sind wird es plötzlich sehr laut in den bäumen über uns und dann stürzt nass und kalt
und schwer wie von einem lkw gekippt zu schneematsch verdichtetes eiskaltes wasser in unglaublichen mengen auf uns und alles drumherum! tellergrosse fladen schlagen schmatzend ins gelände und franz ´n meter vor mir, ist nicht mehr zu sehn…die plane hinter mir wird zu meiner deckung: ich reisse sie über mich und kann dann nicht nur nichts mehr sehen sondern auch nichts mehr hören ausser dem immensen krach den der matsch auf dem baumarktplastikzeugs um meine ohren veranstaltet…
der spass dauert nur gut drei minuten…als ich franz grad fragen will, was das denn eben war, kommt er mir mit einer viel besseren gegenfrage zuvor: “wo is´n dein zelt?”
die ganze gegend ist schneematschgrauweiss und mein zelt, eigentlich direkt hinter mir unter diesem weiss plattgedrückt auf dem modder nicht mehr zu sehen! das matschgewicht auf dem zelt hat die heringe aus dem modderboden gerissen und mein nachtlager schön zusammengefaltet und zugedeckt! was für ein spass!
wir schieben die matschschicht vom zelt; sie ist gut 3cm hoch. und als wir das zelt wieder aufstellen fühlt es sich an wie ein wischmobb, der grade 5zimmer gemobbt hat und verhält sich auch so: wie´n nasser lappen! die heringe werden durch das eigengewicht gleich wieder aus dem modderboden gezogen, nachdem ich sie dareingesteckt habe…wie in butter! franz sagt, er hat noch ein paar für diesen boden besser geeignete in seinem rucksack (na klar!) und geht sie holen…und kommt nicht wieder! jedenfalls die nächste viertelstunde nicht und als er dann wieder da ist und mit mir und seinen heringen mein zelt wieder in form bringt sagt er, er wäre gern schneller zurückgekommen, musste aber erstmal sein eigenes zelt wieder aufstellen! der matsch hat wirklich ganze arbeit geleistet!
in mir wachsen interessante vorahnungen für den verlauf der nacht….
genau jetzt kriegt franz eine sms von den leuten, die uns am ende der tour erwarten: “am freitag ist sonne”!
und vom see lachen die enten.

entenaudio (bisher leider kein passendes gefunden..:-)

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