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lübstorf – schwerin: wasser satt und reiher enten

(begangen am 17.12.19,                          )

wieder steht der zug um 08:24uhr im plan. jedoch der abend davor trinkt bier bis um vier und der wecker klingelt erst um 9. dem probanden gehts noch nicht so wirklich gut, als er wieder mal um 10:24 losfährt. aber die feste müssen gefeiert werden! und die erfahrung lehrt, dass wandern am strang die sinne belebt….
diesmal zahlt er 6,4eus und entsteigt dem roten gefährt nach 20minuten fahrt. in lübstorf. gleich hinterm bahnübergang zweigt er links am strang vom asphalt ab und ahnt böses, als er wassersatten wiesenpfad erspäht und rein in ihn matscht! die gedachte route heute ist fast komplett weglos über acker…! nun ja, wird sich zeigen…

es geht sich dann doch recht passabel mit kleinen hindernissen und erstmal werden nur die schuhe nass. kurz vorm nächsten bahnübergang tappst er dann in baggerbaustellenmatsch knöcheltief und macht seine schuhe richtig schwer! aber auch das ist halbsowild: das laufen macht hier richtig spass: kein mensch ist weit und breit zu sehen und die sonne scheint unerwartet kräftig aus ihrer wolkendeckung und macht diesen dezembertag wohl umdie 15grad winterwarm. sehr schön! und die schuhe wieder leicht…
immerlang am strang in wellen mal unter und manchmal auch paarmeter über gleisniveau gehts gut voran durch feinstes mecklenburg. und wenn das gleis mal zu nah kommt zieh ich mir die leuchtende warnjacke an.

als vor jetzt gut einem jahr zum ersten mal ich hier fuhr war die strecke von bad kleinen bis schwerin mit erheblichem verzug komplettsaniert grade fertiggestellt. ein gutes stück weiter östlich war eine frische autobahn im moor versunken und weil auch diese bahnstrecke hier auf ebensolchem untergrund wie besagte autotrasse gebaut, wurde nochmal kontrolliert und nachverbessert. deshalb der verzug. vielleicht.
jedenfalls gab es zu dieser zeit beiderseits des strangs gut befestigte baustrassen, für schweres gerät befahrbar. danach wurde gebaggert und geschoben und planiert und gepflügt und jetzt ist von diesen kräftigen pisten nichts mehr zu sehen. ein bisschen schade, weil: liefe sich ganz gut; aber eigentlich besser so.
ich laufe weiter weglos am strang lang. ein wohl recht aufwendiges wasserleitsystem wurde errichtet über dessen gräben ich mehrmals rüber muss und eine ziemliche menge bäumchen wurde angepflanzt beiderseits der gleise. manche eingezäunt zum schutz vor wildes frass.
auf einem hügel meines weges liegen etliche dieser bäume ungepflanzt mit wurzelballen auf mehreren haufen, so, als ob die pflanzarbeiter spontan die lust an ihrem job verloren haben und vorzeitig zum feierabendbier entschwanden, sie tun mir leid, die bäumchen, sie werden hier wohl sterben, wenn sie nicht schon gestorben sind, aufgehäuft am bahndamm. kein schönes ende.

als auf diesem hügel ich stehe gleist der kollegenzug, der um 11:24 in wismar losgefahren ist, unter mir vorbei. und ne knappe halbe stunde später warte ich auf den gegenzug. warnjackenbekleidet links vom gleis mit blick auf das nordende vom kirchstücker see. der fahrer des gefährts erkennt mich! und hupt erfreut. und als er vorbei, überquere ich seinen fahrweg und bin dann an dem teil des weges, auf den ich mich am meisten gefreut habe: an genanntem see! ich will ihn komplett umrunden und dann an gleises seite weiter in die landeshauptstadt.
kirchstück ist ein dorf an der B (früher F) 106 von wismar nach schwerin. sehr oft fuhr ich schon durch diese spannend benamte siedlung mit ihren beiden seen, die man vom auto aus schön sehen kann. immer wollte ich da mal hin, aber nie gelang mir das! bis heute!

ich wähne mich ganz alleine als dem wasserrand ich mich nähere unter wirklich angenehmster wintersonne, als ein recht grosser wunderschön befellter fuchs sich zeigt und vor mir flieht, und dann fünf rehe! und dann ne menge enten und dann hunderte von wasservögeln mir leider nicht erkennbarer art. bohh, is hier was los! denk ich, als schon wieder zwei rehe durchs unterholz brechen und mich fast umrennen!
ganz ans wasser komm ich nicht, weil der schilfgürtel dicht und das ufer matschig. aber es ist zu erkennen, dass hier dieser “weg” mal einer mit wasserzugang war und wohl von anglern genutzt wurde. versteh ich gut: herrliche stelle! aber wie das heutzutage nun mal ist, verwaisen solch schöne plätze, die nicht mit einem auto erreichbar sind, und wachsen zu. und wenn das erst einmal geschehen, muss das so bleiben! sagt der naturschutz. und darum sind inzwischen viele gewässer in meinem schönsten land der welt und drumherum komplett schilfberandet nicht mehr zugänglich und für den interessierten beobachter “verschwunden”. ich finde das richtig schade! und vermute das auch für diesen see. wenn ich mit meinem zug dran vorbeifahre sieht es nämlich genau so aus.
zwischen bahndamm und see das feld ist mit winterlicher zwischenfrucht bestellt. sieht möhrenmässig aus, is aber was anderes und steht so 15-20centimeter hoch und ist triefend regennass. das seeufer selbst ist typisch mit erlen und weiden und… dicht und wild bewachsen. was ich vom zug aus allerdings nicht sehen konnte ist die unerwartet hohe uferböschung, die sich jetzt auf meinem rundgang zeigt. das feld steigt wellig an, das ufer natürlich nicht. und so entwickelt sich ein wohl 10meter breiter uferstreifen zwischen schilf und böschung der zwar sehr dicht bewachsen aber trotzdem begehbar ist. aber ich entscheide mich für den gang übers feld am böschungsrand. zum einen wegen des immensen tierbestandes da am ufer (es knackt und grunzt und raschelt pausenlos) zum andern weil meine schuhe nicht ganz dicht sind und ich nasse füsse liebe…oder so ähnlich. und des lichtes wegen, das da im dickicht nicht wirklich ausreichend ist für meine art zu fotografieren.
und so wandere ich dahin, den blick immer zum see gewandt um vielleicht doch schilflose zugänge zum wasser zu entdecken. und der schilfgürtel ist weit weniger dicht, als erwartet, die böschung aber recht steil und sehr brombeerig und so bleibts vorerst beim kucken.
immer wieder brechen rehe aus der deckung vor mir auf das feld und es schnattert und quakt immens am ufer. aber dann kommt doch eine stelle, wo ich runter muss ans wasser. ein herrlicher lagerplatz tut sich vor mir auf. mit feuerstelle und grill, leeren schnapsflaschen und reichlich anderem gerümpel. angelstelle eben! hab ich aber schon viel schlimmer gesehen. ein wirklich feiner ort zum nächtigen und beobachten. und auch zum grillen, lagerfeuern und schnapsflaschen leeren…mal sehen, vielleicht mach ich das ja irgendwann mal.
die böschung wird jetzt wieder flacher und läuft sich aus in grössere schilfflächen und randmorast. ich bin jetzt am südlichsten punkt des sees und richtungswechsle zum ort kirchstück. an seinem anfang die badestelle, wieder ein feiner platz zum lagern, diesmal aber mit verbotsschild. recht so!
dann an ortes rand zum ersten mal ein weg auf dem ich durch die siedlung bis zum bahndamm gegenüberliegendem uferfeld mich fortbewege. die halbe runde um den see ist gemacht.
vor mir eine grosse menge reiher, silberne und graue in eintracht auf freiem feld schön anzusehen. auch auf den bäumen sitzen sie und fliehen mich viel zu früh für schöne fotos.
die uferrandböschung steigt wieder an und zeigt sich ähnlich wie vorhin. das feld wellt sich wunderschön daneben hin, es ist mir ein feines vergnügen, hier zu gehen und zu sein.
im ort traf ich übrigens den ersten menschen seit lübstorf. er sass warnjackenbekleidet in seinem auto und schlief. pause wohl.
von hier jetzt leicht erhöht habe ich einen schönen blick über das wasser und stelle fest, das vorhin aufgescheuchte wasservögel unbekannter art nicht zu hunderten sondern in noch grösserer zahl herum dort schwimmen und scheuche sie schon wieder! viel zu weit weg! “ach bleibt doch! ich bin´s doch bloß! ich will euch nichts böses!” aber sie hören mir nicht zu, viel zu weit weg. sehr schade!
auch am nördlichsten punkt wieder randmorast, diesmal aber bewaldet.
und dann bin ich schon rum und wieder da, wo vorhin den fuchs ich traf.

machs gut schöner see! wir sehen uns bestimmt mal wieder!
doch jetzt erstmal wieder zum schienenweg und rechts an ihm lang nach süden.
nach kurzem gang entspringt ein weg dem acker. an einem runden wendeplatz mit halteverbotsschild. also eigentlich endet er hier aber aus meiner perspektive eben nicht, er bringt mich nach carlshöhe oder vielmehr dem, was davon übrig blieb: eine treppe zum gleis. zwei stromhäuschen und reste eines zauns. hier stand so lang ich denken kann ein bahnal wichtiges recht grosses betonenes gebäude. eine blockstelle. ein damals hier arbeitendes personal ist jetzt fahrdienstleiterin in meinem heimatbahnhof und kocht einen feinen kaffee!
ein wohnhaus gehörte auch dazu und das steht da auch noch. und um da nicht direkt dran vorbeizumüssen bewarnjacke ich mich wieder und überquere erneut den schienenstrang. am hauptsignal in km 72. doch zeigt das grünes licht! und als bahntechnisch ausgebildetes personal weiss ich, was das bedeutet: stehen bleiben! es kommt ein zug! und freue mich wieder einmal sehr darüber, was ich alles schon gelernt hab!

ab hier geht es relativ monoton wellig weglos übern acker bis zur neu gebauten strassenbrücke. ab und zu muss ich sumpfigem nass oder auch kleinen gewässern ausweichen bis ich zu der überführung komme. hier war einst ein bahnübergang an dem man oft lange stand auf seinem weg auf der fernverkehrs- (jetzt bundes-) strasse 106. mit schrankenwärter, dessen haus noch steht und auch bewohnt ist.
gerne hätte ich hier wieder die gleisseite gewechselt um auf unbefestigtem gelände direkt am strang weiterzukommen. jedoch tue ich das nicht. weil ich es nicht darf. und vom schrankenwärterdomizil aus gut dabei zu sehen wäre und ich nicht riskieren möchte, dass jetzige bewohner wichtige stellen ob meines frevels informieren. man weiss ja nie…
ja gut, ich hätte über die strassenbrücke gehen können, aber das erscheint mir doof und so komme ich an vorgelagertem gewerbegebiet vorbei in die landeshauptstadt schwerin. nur ein kurzes stück, aber das ist blöd genug.

medewege heisst dieser teil der stadt und aus einem wirklich guten buch weiss ich, dass diese benennung aus dem slawischen sich erhalten hat und bedeutet, dass hier vor langer zeit der bär gesteppt hat! und russisch heißt bär auch heute noch медведь. na, wer kanns lesen? genau: medwed.
hier kann ich von der hauptstrasse abzweigend offiziel und legal den schienenstrang überqueren und gleich danach scharf links rechts von ihm meinen weg weitergehen. auf einem weg.
vorbei an biologisch wohl korrekten gewächshäusern nachgeahmten zelten endet der pfützennass am medeweger see vorbei auf einer wiesenkoppel. gar nicht weit entfernt vom zentrum der landeshauptstadt. und da am ende des grüns in dichtem buschwerk lässt sich eine alte brücke erahnen. über sie verlief in grauer vorzeit die bahnanbindung zum schweriner güterbahnhof, unter ihr fließt noch immer der aubach (den es auch noch zu erkunden gilt, irgendwann!).
seit längerem schon wollte ich da mal lang, auf der alten bahntrasse, und heute soll es denn soweit sein. bevor jedoch muß koppelumrandender stacheldrahtzaun und dahinter wuchernder stacheliger wildwuchswald überwunden und eine böschung erklommen werden. ich krieg das fast unverletzt hin und finde mich dann auf historischen betonschwellen in schotternem bett auf gewünschtem ehemaligen schienenweg zum besagten vergangenen güterbahnhof.
aber scheiss! da kommt ja noch die bahn nach gadebusch und rehna die auch mal von der güterbahnhofsbahn überbrückt wurde! jetzt aber nicht mehr, die brücke ist weg! und so muss ich ne böschung wieder runter, rüber übers nebengleis und auf der anderen seite steil wieder hoch! ist ein wenig anstrengend und unerwartet. und der schienenbus nach gadebusch heizt mit 60kmh vorbei als ich grade oben bin. schwein gehabt…
der güterbahnhof bietet ein trostloses bild aber zeugt in seinen ausmaßen immernoch von vergangener bahnaler größe. ein paar abstellgleise sind noch in betrieb für nächtens nicht gebrauchte personenzüge, die jetzt um halb vier am nachmittag aber nicht da sind. nichts ist da.

passend dazu bekam ich noch von www.norbert-weise.de einen gleisplan aus den 50er jahren zugeschickt auf dem zu ahnen ist, was mal los war im bahnhof schwerin und auch gut erkennen kann, wer kann das gleis auf dessen resten ich dorthin gekommen bin:

jetzt noch unter der eisenbahnbrücke durch und über einen parkplatz und an der polizei vorbei bin ich am hauptbahnhof der hauptstadt von mecklenburg-vorpommern. zwanzig minuten warte ich auf den kollegenzug und entsteige dem um 16:37 am bahnsteig 1 in wismar.

fazit

auch wenns nass ist lässt sichs gut gehen in mecklenburger landen! erwartetes versacken im matschigen acker blieb weitestgehend aus und mit nassen schuhen kann man leben, auch wenn die zehen nach dem ausziehen selbiger schon ziemlich blass und schrumplig waren….

fazit 2

reisen bildet! so weiss ich jetzt, dass die vogelmassen auf dem kirchstücker see reiherenten waren und carlshöhe ein richtiger ort und nicht nur eine vergangene blockstelle! die hieß nur so, weil sie eben da gebaut wurde: in der nähe von carlshöhe. weil ich eben nach dem wandern fragen hatte und das internet.

fazit 3

eine wanderung schöner als im vorfeld gedacht! und auch für die fitness brauchbar dank weglosigkeit und überwunden werden müssender unwegsamkeiten. die knochen und muskeln waren am abend danach deutlich spürbar. so wie soll!

>>>>>>>>>> weiter lang am strang: schwerin – holthusen >>>>>>>>>>

 

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