warin-weitendorf

im kanu von warin nach weitendorf

ein termin am frühen morgen, ein anruf beim kanuverleiher und ein freund brachten mich und ein boot am 29. september 2012 gegen 10 ans ufer des glammsees in warin.
lange nicht im boot gesessen betrachtete ich den himmel mit einiger skepsis und freute mich mulmig auf das, was da kommen sollte…

der kanuverleiher sagt, dass das passieren von brüel eine schwierigkeit werden könnte und schickt mir deshalb ein boot, dass man bequem dank eingebautem joch alleine tragen kann.
gute sache das, aber ein boot das man alleine trägt kann nicht viel wiegen…und ergibt sich dem wind ohne grosse gegenwehr.
mit ca. 20 kmh bläst der mir mal mehr mal weniger in die seite und treibt mich an den rand des…sees.

mit einer karte finde ich die ausfahrt aus dem see und fahre durch richtig viel schilf in den wunderschoenen toennisbach. es ist manchmal schwer, den weg zu erkennen – aber langsam und mit vielgenaukucken finde ich ihn durch das gewirr und fahre vielkurvig durch gestrüpp, windböen und regenschübe bis zum tempziner see zwischen umgestürzten bäumen, schlammigen waldufern und undefinierbarem maschinengekreisch durch ein wirklich schönes stück mecklenburger fliessgewässer. kettensäge? motocross? modelflieger? zu laut, um nicht zu stören und zu weit weg um identifiziert zu werden nervt das gekreisch schon ordentlich, aber der bach ist zu schön, um sich vermiesen zu lassen.

kurz vor`m tempziner see unterquere ich nach überqueren eines ziemlich doof gefallenen uferbaums die bahn wie im tunnel und sehe mich dann an der für diesen wind ziemlich ungünstig gelegenen bachmündung den wellen ausgeliefert das leichte boot nicht bändigen könnend ans ufer gepresst verzweifelnd…

der wind kommt für meine anstehende seeüberquerung genau von vorn – also ideal! nur der bach mündet in einem so spitzen winkel durch einen fetten schilfgürtel in den see, dass ich unweigerleich mit voller breitseite getroffen werde wenn ich jenen verlasse. ich versuche mehrmals erfolglos legal einzudringen bis ich mich entschliesse, genau in den wind durch das schilf zu brechen…harte arbeit! und dann bin ich auf dem see und muß die 1 1/2 km bis nach tempzin (immer auf den kirchturm zu halten..!(danke lothar!!!)ohne pause durchpaddeln – jeder aussetzer dreht das leichte boot sofort in die wellen….

“…das is´n see zum surfen” sagt der bootsverleiher und hat damit völlig recht. die richtung gefunden freue ich mich beim überqueren des sees sehr darüber und gönne mir am anderen ufer vor´m aalfang tempzin einen fetten teemitrum.

aalfang umtragen ist ziemlich unspektakulär aber der bachabschnitt danach nicht breiter als das boot.

der rasentraktorfahrer am ufer stoppt ungläubig seine maschine als er mich bootfahrend halbstündig lang kämpfend sein grundstück passieren sieht. er braucht dafür zu fuß am ufer max3 minuten….eher 1 1/2…aber danach bin ich wieder im freien wasser und geniesse…bis zur strassenbrücke zahrensdorf. 100m?

das wasser ist so wenig vorhanden, daß das boot auf dem gut 5m breitem strom nur geschoben werden kann. ich kriege erstmals auf dieser tour nasse schuhe…schiebe das boot und bin danach in einem akkurat begradigtem graben mit am vortag entfernter ufervegetation ohne die handvoll wasser unter dem kiel wieder den harmlos klingenden 20 kmh ausgesetzt. es geht nicht vorwärts.

die paddel stochern im grund gegen den wind! ich steige aus und nehme das boot an die leine… leider ohne uferweg, dafür mit elektrozäunen und matsch!

aber alles geht vorbei und das boot fährt wieder…die natur rundrum ist tierisch und die euphorie des seins….ich fotografiere das bild “wetter”.

danach durch den wald ist wunderschön und die kaum vorhandene strömung viel zu stark…hier möchte man eigentlich nicht vorbeitreiben sondern sein!

die bäume am ufer markieren den wasserstand des gebietes und zeigen mir wie wenig da ist obwohl die letzten wochen eigentlich ziemlich nass waren, der heutige tag eingeschlossen…

ich denke an die freiwillige vereinbahrung der kanuverleiher an der warnow, die fahrten bei niedrigwasser verurteilt…und fühle mich nur ein bischen schuldig….da ich auch bei niedrigwasser genau wie der reiher oder der rothirsch hier lebe…(und die muscheln muscheln)

und sitze kurz vor brüel richtig fest! wie zum hohn hat irgendein “langer dünner”(synonym für iltis oder marder) genau in augenhöhe auf den baum geschissen der jetzt quer über den bach liegend mich zum ballancieren zwingt! das boot untendurch und ich obenrüber um janich in das bestimmt 50cm tiefe wasser zu fallen…

spannende aktion! danach bis brüel geht ganz gut und ich lege gegenüber vom penny an um das hier gebaute unpassierbare wehr zu umtragen. deshalb das boot mit dem joch! funktioniert hervorragend: erst trage ich mein gepäck über die strasse und danach lege ich mir das boot auf die schultern und mach´den weg nochmal – diesmal allerdings argwöhnisch beäugt…dann versuche ich hier an diesem zentralen platz ein kaltes bier zu erwerben und scheitere!

durch brüel zu paddeln is´n bisschen blöd, wie eigentlich überall durch orte, is´aber nur ein kurzes stück. am ende der “stadt” dann noch drei brücken, wovon zwei nur des geringen wasserstandes wegen passierbar sind. über die dritte, die in der mitte, fuhren mal züge, heute nich mehr wirklich. sie ist die höchste. allerdings auch die mit dem wenigsten wasser unter sich. knutschende schüler machen rum unter ihr und ich setze auf und muss ins wasser um mein boot dadurchzuziehen. die knutscher kucken blöd und fühlen sich gestört, sagen aber nix. an der brücke danach das selbe spiel, bloß ohne menschen ausser mir mit meinen nassen schuhen.

danach ist der mühlenbach, wie er hier immernoch heisst, ein träge dahinziehendes wiesenflüsschen. kaum breiter als mein boot. aber mit mindestens doppeltsobreitem schilfbewuchs an beiden seiten. und er ist erstaunlich tief, bei einem test kriege ich mein paddel nicht bis auf den grund. unerwartet dicke fische schlagen wellen, als ich ihnen zu nahe komme.

mir sind schon ab brüel die wirklich sehr zahlreichen leeren im wasser treibenden flaschen übel aufgestossen und noch so einiger anderer dreck, jetzt aber verdichtet sich ihre zahl drastisch. und sie bewegen sich auch kaum noch vorwärts… da wird doch nicht…?!!
doch, da wird! ich stecke fest in einer grünen paste aus treibgut wassergras und schilf! nichts geht mehr! ich habe gehofft, da irgendwie durchzukommen wie das ja meistens klappt: mit viel schwung, energischem paddeln und ganz viel kraft…aber hier funktioniert das nicht. ich sitze richtig drin, es geht nicht vorwärts und dank des schwungs auch nicht mehr zurück, das boot schaukelt nicht mal mehr. bis zum ufer jeweils zwei meter schilf und unter mir ebenso tiefes wasser.
okay, erstmal eine rauchen, denk ich mir, als fast aus dem nichts heftiger regen einsetzt. und da der wind natürlich immernoch direkt von vorne bläst krieg ich den voll auf´s maul…

es ist echt anstrengend, da raus zu kommen: ich greife mir das schilf am rechten ufer und ziehe mich ganz langsam da durch, immer schubweise 10cm oder so. das dauert bald ´ne halbe stunde! aber hier ins wasser zu steigen fehlt mir wirklich die lust! und bin froh, dass es ohne geht. allerdings bin ich, als ich denn endlich am ufer bin, mindestens genau so nass, als wenn ich gestiegen wäre…
und wie zum hohn hört der regen auf, als ich endlich wieder auf festem boden stehe.
aber nur kurz. zum glück!

ich ziehe das boot wohl hundert meter auf dem uferacker bis der bach wieder frei ist.
und der regen wieder losregnet.
ich nehme mir die zeit, mich ein wenig umzusehen und finde es hier richtig schön in den flusswiesen! aber so geht es mir eigentlich überall in mecklenburg wo keine häuser stehen, in meinem schönsten land der welt.

dann ist der weg frei bis zur mündung in die warnow und ich fahre langsam durch wiesen wind und regen dahin. jetzt treibt auch kein müll mehr auf dem bach. steckengeblieben!

auch die warnow führt sehr wenig wasser. eigentlich müsste ich nach der mündung noch paar 50meter gegen die strömung paddeln, um zum zielanleger zu kommen, aber das ist nicht möglich! es ist einfach zu flach und die strömung zu stark.
also steige ich aus und ziehe das letzte stück mein boot durch den fluss.

bis unter die unterhosen durchgeweicht angekommen ernte ich nur komische blicke. keiner will was von meinem abenteuer hören!
blöde bauern! freue ich mich.

 

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