WL-WGRB

ludwigslust – grabow: grrrrr!

(begangen am 08.04.20,                          )

es ist verrückt: schon wieder ein einzelner freier tag unerwartet in meinen frühschichten! mittwoch der achte des april, zwei tage vor karls freitag.
die letzte wanderung hat denn doch dank ihres beständig eisigen westwinds mit den kalten ohren spuren hinterlassen: fast drei tage habe ich nach meinem fahrdienst die freizeit mit schwitzen in bett und erkältungsbad verbracht und eine so kurze wanderung wie die von ludwigslust nach grabow erschien mir als sehr geeigneter abschluss der genesung: 7,5 kilometer auf leichtem weg; erst durch die stadt, dann an ihrer bahnalen vergangenheit entlang und dann auf feinstem waldpfad durch den erwachenden frühling in die stadt der neger – oder mohren – oder darf man nicht mehr sagen – küsse an der elde, dem längsten und am ärgsten misshandelten fluss der mecklenburger heimat. es ist sehr lange her, aber ich ging diesen weg schon einmal und habe ihn als sehr entspannt und angenehm in erinnerung und freue mich darauf.
natürlich hat sich seit dunnemals einiges verändert: so gibt es jetzt eine fahrradbrücke über die bahngleise am ende des bahnhofs, die so aussieht, als ob sie nach ihrer errichtung einen designpreis gewonnen hat! oder zumindest einen innovationspreis..
diese betonnene röhre mit ihren fahrstühlen an beiden enden muss ich natürlich begehen (befahren), zumal ich glaube, von ihr herunter schöne dieser dokumentation dienliche fotos machen zu können. kann ich aber erstmal nicht: die vom designer fein platzierten verglasten aussichtsaussparungen wurden schon sehr lange nicht mehr geputzt und erlauben nur sehr bedingten durchblick; der treppenauf und -abgang für leute, die keine fahrstühle mögen, ist da schon besser, weil unverglast. und so kann ich feines bild in richtung meines weges mit feinen bahnalen zutaten machen. das find ich richtig schön!

die bahn nach parchim überquere ich auf einem kleinen nurpersonenübergang, vor dem der dalangfahrende lokomotivführer durch eindeutig definiertes signal zum 3sekündigem hupen aufgefordert wird, das aber durch anwohnerprotest nur ein ganz kurzes einsekündiges sein soll…ich bin sehr gespannt, was passiert, wenn da mal was passiert!!!
an den resten der stillgelegten strecke nach dömitz, der, die immernoch, obwohl nicht mehr vorhanden, die kilometrierung nach wismar definiert entlang führt mein weg durch ludwigsluster kleingärten aus der stadt hinaus.
erst steigt der weg und rechts von ihm verläuft die alte trasse in einem tal, in einem graben. ein kurzes stück liegen auch noch alte gleise da, dann aber sind die weg und der graben wird ein wild verwuchertes wunderland für junge eroberer, wie ich mal einer war, vor vielen jahren. und ich sehe ganz viel abenteuer und schürfwunden und phantasiegefechte und verstecke und… aber leider keine jungen eroberer. naja, die sind wohl grade beim videospiel.
aber wenn die tägliche medienzeit vorbei ist, werden sie kommen! und abenteuern! ich glaub da fest dran!

ganz sanft verflacht der graben: er steigt an und hat dann irgendwann das gleiche höhenniveau wie der weg, auf dem ich an ihm entlanggehe. irgendwo hier gab es mal eine brücke, über die die dömitzer bahn die meine, also die nach berlin, überquerte. aber ich kann nicht erkennen, wo das war, spurlos verschwunden. nach gleisplan von 1953 sollte das ungefähr im km 169 gewesen sein, und da bin ich jetzt, seh aber nix.

kurz danach trifft mein weg eine brücke, die real ist, die wirklich da ist, unter der ich jedentag durchfahre…aber die scheint kaputt: drei dicke fette steine sperren sie von ihrer zufahrtsstrasse ab und das überrascht mich ein wenig. rübergehen kann man aber noch.
mach ich und fotografiere ein wenig.
schön kann ich von hier meinen weiterweg erkennen und geh´ den dann auch..
und treffe bald danach auf eindeutige reste einer weiteren gleisüberquerung: betonnene klötze auf beiden seiten der schienen. ich habe keine ahnung, was das nu wieder sein soll, aber nehme diese tatsache nach blick auf meine telefonuhr als grund für eine pause: in paar minuten muss kollegenzug von süden her hier langfahren und auf brückenrest sitzend denke ich mir, dass das ein guter vorwand ist, ein foto von ihm zu machen.
ich teste mit einem ice, find das ganz gut und versage dann trotzdem fotografisch beim kollegen: unscharf!
es ist absolut nicht mein fotografischer anspruch, gute fotos von vorbeifahrenden zügen zu machen, ich will eigentlich nur fotos von meinen wanderungen machen und nehme die kollegenzüge als dokumentarisches beiwerk. aber ganz schön oft stelle ich fest, dass solche belanglos scheinenden einfachen bilder nix werden und fange langsam an zu verstehen, dass auch diese art der fotografie eine anspruchsvolle sein kann. und will trotzdem auf keinen fall ein trainspotter werden! hoffentlich geht das gut!

und dann wirds doof: auf meinem brückenpfeilerbetonklotz sitzend habe ich schon gesehen, dass der weg, der jetzt vor mir liegt, frisch gepflügt ist, denke aber noch, dass das nur eine kurze episode wird…schliesslich war ich hier ja vor jahren schon mal und freue mich auf das erneute begehen eines sehr angenehmen waldwegs!
aber nee! der weg ist kein weg mehr, er ist eine tortur! watn scheiss: auf kompletter breite wurde mit schwerem gerät gepflügt und geeggt und versaut: der fuss versinkt bis zum knöchel in grauen widerstandslosem sand! er findet keinen halt und knickt ständig am knöchelgelenk in unmöglichste schieflagen und sendet nicht zu verarbeitende reize ans gehirn und boykottiert damit den kompletten bewegungsapparat! “geh doch am rand lang, du idiot!””jaa! mach ich doch!” aber der rand ist dicht verwurzelt, uneben, voller bewuchs, ohne platz für füsse. und vom pflug wie eine steilküste anfällig gemacht.
und wenn man mal festen halt erreicht zu haben glaubt, bricht die steile kante unter dem gewicht des wanderers und knickt den fuss erneut in seinem gelenk und baaaah!
wohl einen kilometer geht das so bis ich auf die neu erbaute autobahn treffe, die hier mit einer monströsen brücke bahn und ackerweg überspannt. und wohl zum ersten mal in meinem leben freue ich mich , eine autobahn zu sehen!
nein! ich freue mich nicht, aber sie lässt angenehmeres gehen vermuten, fusserholung…
und jaa!, ich treffe aus dem wald von meinem ackerweg auf einen festen. hurra!
diese autobahn ist nagelneu und noch nicht fertig. sie soll mal die verbindung von schwerin nach magdeburg werden, die anbindung der monströsen a2 an mecklenburg.
hier, wo ich auf sie treffe, ist sie zu einem hohen damm aufgeschüttet und am fuss dieses dammes sind noch die wege der baufahrzeuge intakt: feste pisten links und rechts der piste.
und genau hier treffe ich nicht nur auf festen weg sondern auch auf den einzigen menschen auf dieser tour: ein jogger! rennt an der autobahn entlang: auf der piste der baufahrzeuge am fuss der autobahn erst auf der einen seite, dann unter der brücke durch auf der anderen seite zurück…kann man machen…

und ich finde mich hinter der brücke wieder auf gepflügtem waldweg! toll!
aber diesmal ist der randstreifen neben dem gepflügten begehbar und ich rege mich langsam wieder ab: wunderbare frühlingssonne beleuchtet den wald und den ackerweg und den schienenstrang sehr warm und schön und freundlich und nach einer nächsten strassenbrücke eröffnet sich sogar ein weg direkt am strang zwischen ihm und dem wald mit dem ackerweg und lässt mich all den vorherquatsch vergessen.
und im kilometer 165,4, meinem bremspunkt für grabow, also dem punkt, wo ich mein arbeitsgerät von 160kmh langsam auf den halt hin entschleunige, zwei kilometer vor dem eigentlichen halt, stösst ein weg aus dem wald auf den gepflügten unweg und bleibt an seiner seite unbearbeitet mir mein begleiter bis zum ziel dieser reise: wunderschöner waldweg! endlich!

jetzt ist alles so, wie ich es erwartet habe. leider viel kürzer, als ich es erwartet habe.
aber schön.
ein schlagbaum sagt mir bald, dass der wald durchgangen und grabow erreicht ist.
altgediente industrie wird hier grade enstsorgt, gebäude abgerissen, zerkleinert und abtransportiert. als ich vorbeikomme scheint grade pause zu sein: es tut sich nix aber es passiert hier was, merke ich…und kann paar spannende fotos machen von gebäuden, die geschichte sind und bald nicht mehr existent. und auch vom gegenzug.

überall wurden auf dieser bahnstrecke bahnübergänge durch brücken oder tunnel ersetzt weil hier sehr schnelle züge vorbeifahren und darum aus sicherheitsgründen bahnübergänge nicht mehr sein dürfen.
oft wurde das so gemacht, dass auch der fussgänger keine möglichkeit mehr hat, altgediente wege an den schienen entlang zu nutzen, wenn er denn zum bahnsteig will, um seinen zug zu kriegen. so auch hier offiziell, aber der brückenkonstrukteur von grabow hat einen weg offen gelassen über sein bauwerk, einen pfad entlang des strangs, betonnen und geländergesichert. und den nehm ich jetzt. er ist zwar nicht für die allgemeinheit, aber die bin ich ja auch nicht.

fazit

es kommt immer anders, als man denkt! warum ein schon mal begangener einfacher wanderweg plötzlich eine tortur wird hat mir das internet erzählt, was wieder mal belegt, dass wandern bildet

fazit 2

7,5kilometer feinstes mecklenburg! sehr empfehlenswert zum nachwandern, eigentlich…

fazit 3

dieses scheissgelaufe auf unwegen hat tatsächlich folgen: mein rechter fuss will nicht mehr so, wie sonst: sehnenscheidenscheisse! schönen dank dafür!
gerne wieder…

>>>>>>>>>> weiter am strang lang: von grabow nach karstädt >>>>>>>>>>

 

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