epilog

nur wenig später als auf dem bahnhof sind wir im zug nach güstrow. der ist ziemlich leer und fährt nach polen. zwei bahnpolizisten oder sicherheitsbeamte oder wieauchimmer durchwandern den zug auf der suche nach wasauchimmer.
diese beiden typen sehen richtig überflüssig aus und ich fühle mich unweigerlich 25jahre zurückversetzt: den scheiss hatten wir doch schon mal: blaue uniformen die jede bahnreise begleiten um die insassen des zuges vor ihren mitreisenden zu beschützen oder auf beiden seiten misstrauen zu provozieren indem sie eine zur guten und die andere zur zu verurteilenden trennen.
aber diese beiden hier sind noch eine nummer krasser als die alten: die knarren an ihrer seite sind viel grösser und die handschellen hängen offen an ihren gürteln und ihre uniformen scheinen unter der vorgabe ihre träger kompromisslos bedrohlich und herrlich erscheinen zu lassen geschmiedet worden zu sein. einer von beiden packt einen beutel oder rucksack genau über mir in die gepäckablage und bleibt danach direkt vor mir stehen, seinen patronengürtel fast in meiner nase. der andere stellt sich vor franz. sie stehen kurz und gehen dann wieder; genug provoziert. früher hiess das schikane und wurde zynisch ignoriert, heute ist das sicherheit und von allen gewollt. das stärkste gefühl in mir bei dieser begegnung nach verachtung war angst,
und ich frage mich, ob der schutz von jemandem der angst und verachtung provoziert grösser ist als die gefahr, die von einer lehrerin mit kopftuch oder einem wirtschaftsflüchtling ausgeht…

epilog

in güstrow haben wir dann noch ´ne gute stunde zeit bis zum finalen zug. franz nutzt sie für bier und bockwurst am imbiss vorm schöngemachten bahnhof der umweltgerechten stadt mit blick auf verfallendes bahnhofsvorplatzensemble mit neu gebauter agentur für arbeit, die wohl die neue zeit der stadt symbolisiert und die skulptur “aquarium” dem imbiss gegenüber (sehr sehenswert…) während ich einen geldautomaten suche, ihn nach ´ner halben stunde finde, argwöhnisch beäugt ob meiner erscheinung und wohl auch meines waldgeruchs auf dem rückweg noch das wohl mal eindrucksvolle portal des reichsbahnamtes der eisenbahnerstadt fotografiere, auf das jemand “rums” geschrieben hat. und denke mir: recht hat er(sie)! die tür ist zu!

rums

 

 

 

 

 

 

bleibt gegrüsst von f&m
franzmarianne

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