hausbesuch

eine 75 jährige frau

wohnt ganz alleine in einem haus an einem see bei güstrow, der nächste ort ist knapp 2km entfernt, das einzige haus in ihrer unmittelbaren umgebung ist ein ferienhaus und nur unregelmässig bewohnt.
sie bricht sich ein sprunggelenk und kann nicht mehr laufen, geschweige denn auto fahren.
telefonisch benachrichtigte freunde fahren sie zu einem arzt. sie wird behandelt und bekommt von der krankenkasse ein rezept für regelmässige hausbesuche von einem arzt und einem physiotherapeuten, worüber sie sehr erfreut ist und von der gewissheit, nicht allein gelassen zu werden, sehr erleichtert ihrer genesung entgegensieht.
aber die erleichterung weicht schnell ernüchterung nachdem sie alle ärzte und therapeuten in der umgebung angerufen, ihnen ihr leid erklärt und erfahren hat, dass keiner bereit ist, zu ihr zu kommen und sie zu behandeln: “wo wohnen sie? was, …nein da können wir nicht hinkommen, das rechnet sich für uns nicht!”
und das rezept kann nicht eingelöst werden, weil es nur die kosten für die behandlung, nicht aber die für den weg zur 75jährigen frau am einsamen see abdeckt und der arzt keine 30kilometer ohne kostenübernahmeerklärung fahren darf, der versicherung wegen! (oder nicht will, der sprit und zeitkosten wegen?)
nun, die alte frau hat freunde und erholt sich unkenventionell, aber hätte sie keine, wäre sie dann verhungert, weil sie nix zu essen hätte kaufen können? im reichsten land europas?
quelle: gespräch mit der 75jährigen frau
ich weiss, dass diese geschichte nicht mecklenburgtypisch ist sondern erschreckenderweise im ganzen reichsten land europas erzählt worden sein könnte – aber sie ist eben hier passiert und gehört deshalb hierher

 

2 Gedanken zu „hausbesuch

  1. “die alte frau hat freunde und erholt sich unkenventionell” das verstehe ich jetzt nicht; meinst Du ‘Unken- ventionell’ und hast eine Wortschöpfung vollbracht, oder hast Du Dich verschrieben und meinst ‘unkonventionell’. Letzteres bleibt auch unverständlich, denn konventionell wäre, wenn Freunde geholfen haben, weil’s das ‘füher’ gab. Heute sind helfende Freunde eher ungewöhnlich und das entspräche dem Unkonventionellen. Aber wie ich vermute meinst Du, dass Freunde ihr auf unkomplizierte Weise geholfen haben.

    1. Hallo Armin,
      ụn·kon·ven·ti·o·nell
      Adjektiv
      geh.
      ˈʊnkɔnvɛnʦi̯onɛl/

      nicht so, wie es allgemein üblich ist.
      “sich unkonventionell kleiden”

      …das sagt google dazu.

      da habe ich mich tatsächlich verschrieben…
      aber Du hast das für mich geklärt und deshalb bleibt das alles jetzt genau so stehen.
      und ob´s das falsche wort ist? die frau erholt sich nicht so, wie´s allgemein üblich ist: mit ärztlicher unterstützung im reha-zentrum, sondern zu hause. dank der freunde…

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