sie sind weg

jahrelang

erzähle ich, dass sie verschwinden. keiner hat mir geglaubt, keinen hat´s interessiert. bis heute.
jetzt haben sie´s bemerkt: die windschutzscheiben müssen nicht frühjahrsgereinigt werden weil sie nicht insektenverdreckt sind. normalerweise tötet jedes auto bei jeder fahrt in dieser zeit hunderte sich verbreiten wollende flugfähige gliederfüsser auf seinen scheiben. nichtso dieses jahr: sie sind schon vorher nicht mehr am leben: sie werden nicht mehr geboren, sie sind weg! und ich bin schuld!
und Du!
freie sicht für freie bürger!

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das hab ich 2017 geschrieben nachdem ich irgendson’ blöden fernsehbericht gesehen habe, in dem sich ein autofreund sehr erfreut über die verschwundenen insekten auf seiner frontscheibe gefeiert hat. wütend war ich damals ein wenig, traurig ziemlich doll.
zu diesem zeitpunkt hatte ich mich schon kapp 20 jahre mit der makrofotografie probiert und war entsetzt von der schnelligkeit des verschwindens des wunderbaren kleingetiers und von der ignoranz meiner mitmenschen, vom nichtbemerken dieser katastrophe. ungefähr zur gleichen zeit wurde die zecke zum neuen megafeind von deutschland erklärt und jedem bürger dringendst geraten, sich impfen zu lassen gegen eventuell von ihr verbreitetes gesundheitliches ungemach. ich hatte bis dato ca. 30 zecken/jahr und bemerkte grade merkliches wenigerwerden auch dieses getiers. im besagten jahr 2017 kam ich grade mal auf 5… aber das kann zufall sein und FSME ist bestimmt kein spass. schlimmer jedoch ist wohl die borreliose, und die zu ihrem nachweis nötigen antikörper hab ich, meine tochter auch. stören tut das bis dato nicht…
und jetzt 4 jahre später reden schon wieder alle vom impfen, aber das soll das thema hier nicht sein. im gegenteil: dies ist ein positiver bericht, ein optimistischer.
aufgefallen im letzten jahr, im ersten vollständig rund um wismar fotografierten, ist mir nämlich, dass wirklich überall, wo sonst in massen sie zu finden waren, fast gar keine gliederfüsser mehr kräuchten und fläuchten, alles schien tot, alles schien zu spät. oft kehrte ich von ausflügen ohne ein einziges foto völlig deprimiert zurück. blühende kornblumenwiesen summten nicht, mohnfelder waren nur noch rot, mückenstiche waren seltene erlebnisse… alles richtig doof.
und es fiel auf, dass hier in mecklenburg wohl jede fotopirsch in unmittelbarer nachbarschaft landwirtschaftlicher produktionsflächen stattfinden muss: es gibt hier kaum was anderes. der zusammenhang zwischen insektensterben und moderner landwirtschaft ist eindeutig und kann von niemandem ernsthaft geleugnet werden!
aber es gibt oasen: orte in meinem schönsten land der welt, die sich schon seit ewigkeiten der profitgier entziehen, orte, die einfach zu wild sind, zu teuer für den kapitalistischen wahn.
sie zu finden ist leider nicht leicht, sie sind selten, oftmals nur sehr klein, aber wenn man sie dann gefunden hat, findet man auch all das leben, das getier, das vor kurzem überall noch war und freut sich über mückenstiche.
und dann stellt man fest: sie sind alle noch da! es gibt nur wenige aber immernoch alle!
so finde ich denn einen nur ca. 100meter langen pfad durch einen sumpf zwischen zwei ehemaligen, inzwischen sich selbst überlassenen wirtschaftswäldern und fotografiere an nur einem tag gleich vier bis dato nie gesehene! und das macht hoffnung, das gibt kraft!
und ich denke mir: sie haben ihren feind erkannt und ziehen sich zurück, um ihre strategeie zu überdenken, sie

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