flughafensee

flughafensee

oder: gut, dass die s-bahn nicht funktioniert

vier wochen schon ist er krankgeschrieben. sah aus, wie ´ne erkältung, war aber irgendwas schlimmeres. seine ärztin hat ihm den schein ausgestellt, jede woche aufs neue. jeden montag war er bei ihr. weil er nicht arbeiten konnte.
nicht wollte! hat sie geglaubt zu wissen und sein chef auch.
blut hat sie ihm abgenommen:
“leberwerte sind erhöht, und lunge. nicht bedenklich, aber erhöht”
“und was bedeutet das?”
“naja, weiss ich auch nicht so genau, geh´ma röntgen…”
“und wo mach ich das?”
“ohhh, musst ma kucken, gibt viele stellen hier in der stadt…”
“könn´se eine empfehlen?”
“gelbe seiten!” und: “leg dich hin und mach´ma´ nix, geniess´ die zeit”
und er freut sich, dass er kein privatpatient ist.
er musste sich nicht ausziehen und sie hat ihn auch nicht abgehört und in den mund oder die ohren hat sie ihm auch nicht gekuckt. was für ein glück! oder in die nase, oder die augen. was für ein glück! kann er kaum fassen! gut, dass er die aok-karte hat!
und er hat endlich zeit gehabt, sein buch zu ende zu lesen. wenn der warteraum nicht gewesen wäre, hätte er für die 500 seiten wohl noch wochen gebraucht. zuhause kommt er einfach nicht dazu, zuviel alltag.

aber er hat jetzt drei wochen flach gelegen, konnte kaum atmen, hat fast nichts gegessen und hatte dünnflüssigen gelben schiss. alle zwei stunden. da kann man nicht lesen. oder bier trinken. oder sich um die familie kümmern. oder biertrinken. aber das muss man doch! und deshalb rafft er sich am donnerstag der vierten woche auf, das zu tun, was zu tun ihm eigentlich ein stetes bedürfnis ist: biertrinken!

aber er ist ja krank und deshalb geht er nicht biertrinken, sondern raus: “ich hab´jetzt so lange hier rumgelegen und mich betuddeln lassen – jetzt muss ich mal wieder an die frische luft!”
und alle sagen: “na endlich, er is´ über´n berg!”

und er denkt sich: ich geh´nich biertrinken sondern raus! und er kuckt auf den stadtplan und entscheidet: “flughafensee klingt gut, da war ich noch nie” und packt seinen rucksack voll mit stativ, fotoapparat, klapphocker und klopapier. und die flasche rum vom küchenregal passt auch noch rein. und der spirituskocher. “wasser hol´ ich mir dann unterwegs…”
und er geht noch in den park vorm haus zu dem typen mit dem beigen kapuzenshirt: “für´n zehner” “bitte”
und seine frau gibt ihm ihre monatskarte: damit kann er durch die ganze stadt fahren ohne auf die beknackten öler achten zu müssen. hirnrissige assis! systemsklaven! (denkt er; profitgeile selbständige anscheisser weiss er)
kurz vorm bahnhof gibt es diesen billigladen mit der unglaublich schönen bedienerin wo man 1literthermoskannen für 12,99 kaufen kann. macht er. bezahlt bei einem man.
ohne sie zu sehen. dabei hat er schon monatelang einen vorwand gesucht, um in den laden zu gehen. der war jetzt endlich da, sie aber nicht. leben eben…

eigentlich müsste er nur mit der ringbahn bis wedding fahren und dann in die u6 bis otisstrasse. aber er kuckt vorher ins internet und stellt fest, dass die u6 schienenersatzverkehr hat und fährt deshalb mit der s-bahn bis zur bornholmer und steigt dann in die nach hennigsdorf. die fährt alle 20 minuten und er kommt 19minuten vor der nächsten dort an. macht aber nix, er hat seinen musikmacher am ohr und geniesst die wartezeit mit rammstein, deep purple, saxon und vanessa paradis. bis tegel fährt er mit. da kauft er 3liter wasser und steigt in die u6 und ist gegen 13uhr zufuss auf der otisstrasse unterwegs zum flughafensee.

und der ist für einen see in einer millionenstadt recht schön, zumindest jetzt im november: nur wenige leute sind zu sehen, erstaunlicherweise drei davon nackt und badend. ihm kommt die idee auch mal reinzuspringen aber erstmal hat er ein anderes ziel: wasser kochen! und er freut sich, dazu mal wieder seinen geliebten snusk burk zu benutzen.
zweimal bringt er den topf zum kochen, erstmal mit seewasser zur reinigung von topf und neuer thermoskanne und dann mit dem gekauften trinkwasser. er füllt die kanne und einen kleinen teil in seine tasse. dazu noch ein kleiner schluck rum… bis das wasser kocht sitzt er am ufer auf einem gefallenem baum und sieht sich um. es ist ein schöner sonniger spätnovembertag fast ohne wind und der see darum auch sehr ruhig.

das erste was er vom flughafensee zu sehen bekam war ein schild an seinem ufer: “Wege nicht verlassen! Uferstreifen betreten verboten!” aber das hat er erwartet, findet´s aber trotzdem scheisse. wohl 200meter ist die verbotszone lang und man sieht ihr an, dass sie nur bedingt respektiert wird: viele pfade führen durch sie ans wasser. dann wird das ufer zur badestelle. heute hauptsächlich für bellende vierbeiner und eben drei nackte. zwei grosse sandflächen am ufer lassen ihn sommerliches getümmel vermuten und er freut sich, dass jetzt kein sommer ist. und so sitz er auf seinem baum am ufer des flughafensees mit viel stadtstrandsand und freut sich des lebens. kaum hat er sich dahingesetzt steuert eine schar enten auf ihn zu, wohl weil sie vermutet, dass er was zum schnabulieren für sie dabei hat. und wie enten nun mal sind tun sie so, als ob sie garkein interesse an ihm haben als sie feststellen, dass das nicht so ist: sie machen entensachen…direkt vor ihm, am ufer und im flachen recht klaren wasser: gackern, schwimmen, watscheln, kacken…

der namengebende flughafen tegel am südlichen seeufer liegt rechts von ihm und alle paar minuten kann er startende flieger beobachten, störend hören und ebenso fotografieren. stadt eben. die enten scheint der fluglärm nicht zu stören und überraschend viele kormorane auch nicht. letzteres lässt ihn einen guten fischbestand vermuten. vielleicht gibt es einen regen anglerverband, der den see regelmässig mit jungfischen besetzt? ausser einem abgesperrtem steg mit vielen ruderbooten an ihm angekettet entdeckt er allerdings keine anzeichen dafür, keine typischen anglerrückstände wie leere maisdosen und wurmverpackungen, keine abgerissenen schnüre, posen oder blinker in den bäumen. nur schnapsflaschen und kaffebecher, aber die sind hier wohl eher von badegästen und partys. vielleicht räumt der rege verband auch rege auf…

als der erste rum getrunken wandert er langsam am ufer weiter, näher an den flugplatz heran. feine abendsonne beleuchtet inzwischen das gewässer, seine strände und herbstbunte ufer. recht angenehm empfindet er diesen gang am grossstadtsee. doch dann kommt der zaun. schluss! hier darf er nicht weiter. “Vogelschutzgebiet” steht geschrieben. deutlich zu erkennen ist noch der uferweg hinter der absperrung, irgendwann durfte man da noch lang, jetzt nicht mehr. eine aussichtsplattform wurde metallen dafür entschädigend hier hingestellt: kannste kucken, musste nicht gehen..! wildschweinwühlerei ist hinterm zaun deutlich zu sehen. da muss es also löcher im zaun geben denkt er sich. und will sie suchen. aber erstmal nutzt er die plattform zu deren zweck: kucken. und er kuckt recht lange, auf flugzeuge, abendsonne, kormorane und grossstadtoase. dann füllt er sich wasser aus seiner neuen thermoskanne in seine tasse und gibt den zweiten rum dazu. fein wärmt das getränk das gedärm und bringt ersten leichten nebel ins hirn. oh mann, wie er nebel liebt! auch über dem see gibt es einen leichten abendlichen, das licht wird spannender.

der see ist komplett von stadtwald umgeben, dem tegeler forst, und jetzt geht er da hinein, vom ufer weg, am zaun entlang. vielleicht kommt man nochmal ans wasser ran?

nicht wirklich, aber er sieht ein, dass der zaun an diesem ort seine berechtigung hat: das südwestufer des flughafensees ist ein schilfiges moor, das vor leben strotzt: es wuselt und vogelsingt für november recht intensiv und er ist sich sicher, dass das ohne zaun nicht so wäre: der badende oder feiernde unbedarfte sollte hier wirklich nicht sein!
und auch findet er die löcher der wildschweine im zaun und freut sich, dass keins davon auf menschengrösse erweitert wurde. es ist sicher kein problem, den zaun zu überwinden, aber er findet keine anzeichen dafür, dass es auch getan wird. und findet das gut. der zaun macht einen scharfen knick nach osten, der weg nicht. aber ein hund kommt von da mit frauchen und deshalb erkennt er unterm herbstlaub einen pfad, den er nimmt, weiter am zaun entlang.

kurz nach einer schönen aussicht mit bank ist dann aber schluss mit dem pfad am zaun: ein grösserer versperrt den weitergang, es geht nur noch zurück wenn man nicht durchs unterholz kämpfen will. also geht er zurück. jedoch nicht, ohne vorher auf erwähnter sitzgelegenheit nochmal aus der thermoskanne nachzukippen. und aus der rumbuddel.
ein denkmal steht im wald, französisch beschriftet. fliegerdenkmal. was da wohl passiert ist? er kann kein französisch. lesen.

zurück auf den hauptweg und weiter nach süden. bald trifft der auf flughafengelände und da steht dann ein richtig heftiger zaun, wohl dreimeter hoch, akkurat gerade und mit stacheldraht oben drauf und warnschildern dran. der weg macht einen scharfen knick nach westen und ist damit endgültig nicht mehr interessant für ihn, der um den see wandern will. aber da am knick trifft der grössere zaun auf den mächtigen und ein pfad an ihm entlag lädt ein, zurück zur bank durchs unterholz zu probieren. nun denn, wasser in die tasse und rum und los. an diesem zaun findet sich ein schild auf dem steht, wer ihn errichtet hat. vor langer zeit. und mehrere löcher in ihm, geschnitten. wohl auch für die wildschweine, aber hauptsächlich wohl für planespotter, von diesen gemacht. flugzeugkucker, flugzeugfotografierer…jeder, wie er mag.
eine birke ist mit merkwürdigen geräten beschraubt…wahrscheinlich weiss schon jemand, dass er hier durch den wald am flughafenrand rumtrinkt…und überlegt grade, ob er eine gefahr für den luftverkehr werden könnte, denkt er beim fotografieren des missbrauchten baumes und greift entschlossen zur thermoskanne…’mir doch egal! soll`n ruhig kommen!’ und nach wenig anstrengendem unterholzintermezzo ist er wieder auf der bank schon wieder beim thermoskanneaufschrauben.
‘ha, mir doch egal!’

und dann weiss er, dass er den see nicht umrunden kann und geht zurück. einer der sandstrände am see zieht sich auf einen hügel in die höhe und fällt zum waldesrand wieder ab. vorhin schon hatte er die idee, da hinaufzusteigen, wollte dann aber doch lieber am ufer lang. jetzt auf dem rückweg steigt er hinauf und holt den hocker aus seinem rucksack (er kann es nicht leiden, dinge zu tragen, die er nicht braucht) und setzt sich auf die hügelkuppe und geniesst den blick über den see in der fastdunkelheit und das grade überstandene abenteuer und eine tasse wasser aus der thermoskanne. mit rum. er hat hier einen schönen blick auf das gewässer und den stärker gewordenen abendnebel. es ist schön, aber flugzeuglaut. deshalb setzt er seinen kopfhörer auf und lässt nick cave den ton dazu machen: ‘do you love me? do you love me? doooo youuuu looooooovvvvvve meeeee? like I love you?’
dann dreht er sich ´ne zigarette und tut ein wenig von dem zeug von dem typen mit dem beigen kaputzenshirt hinein.
raucht sie aber erstmal nicht, tut sie in die schachtel mit den polnischen…

am ufer versucht jemand, feuer zu machen. der rauch seines wohl etwas feuchten holzes steigt schwadig in den nebel und macht alles blaugrau und schön. ‘das muss doch fotografiert werden’ denkt er und holt sein einbeinstativ aus dem rucksack. damit hat er wirklich alles, was er hergeschleppt hat, auch benutzt, erfreut er sich, schraubt die kamera darauf und presst das konstrukt vor seinem hocker in den hügelsand. aber wirklich stabil wird es nicht ‘muss am sand liegen’ denkt er sich und greift nochmal zur kanne. dann stellt er seinen fuss auf den riemen der kamera und drückt das stativ in die gegenrichtung, muss doch irgendwie aufhören zu wackeln…’dig yourself, lazarus dig yourself…’

ein elektrischer rollstuhl hält auf dem weg am hügelfuss und lenkt sein akkulicht auf den feuermacher. von hier oben sieht das aus wie:’das kann doch wohl nicht wahr sein! scheiss jugend! (oder: scheiss ausländer! (die übergänge sind da flüssig wenn mann im 3tausend-euro-stuhl alt und fett ist))’, schüttelt den greisen fetten kopp und fährt sich im strandsand fest. schwerkeuchend (stellt er sich vor, kann er ja nicht hören) erhebt sich der koloss aus seinem gefährt, schiebt es aus dem sand, setzt sich wieder rein und flucht:’scheiss jugend…’ und fährt highspeed zurück in seine villa. ‘they call me the wild rose, but my name is elizah day, why they call me it i do not know, cause my name is elizah day…’

viele fotos macht er, wackelt und schwankt und findet die bilder auf dem kameramonitor so toll, dass er beschliesst, den feuermacher damit zu konfrontieren. er findet es immer interessant, leute die feuer machen zu treffen, und durch die bilder hat er was, was er vorweisen kann, einen vorwand. einfach so traut er sich nicht. trinkt noch einen rum, stellt fest, dass die flasche bald alle ist, packt seine sachen zurück in den rucksack, trinkt einen rum, geht los, hat das gefühl, irgendwas vergessen zu haben, dreht wieder um, sucht seinen sitzplatz ab, findet nichts, denkt: ‘dann hab ich wohl alles’ trinkt einen rum und wankt den hügel herunter auf den feuermacher zu. er stellt beim näherkommen fest, dass dieser nicht alleine ist, er hat eine frau dabei und ein kind, mädchen, noch ziemlich jung. viel jünger, als seine eigene und er denkt daran zurück, wie er mit ihr, als sie in dem alter war, und seiner frau an irgendwelchen wassern feuer gemacht und würste und stockbrot gebraten hat und glücklich war und dass er niemals auf die idee gekommen wäre, sowas an einem see in irgendeiner stadt zu tun, da wär’ die gefahr zu gross, dass irgendwelche typen vom hügel steigen und ihn vollquatschen würden.
“hallo, ich will nich stören, aber ich hab grad ´n paar fotos von euch gemacht….keine angst, man erkennt euch nicht, aber ich will sie euch trotzdem zeigen, weil ich sie recht gut finde.” “aah, hab ich gesehen! hab ich schon zu meine fau gesagt: kuck ma, da macht einer foto, zeig ma” und er zeigt “aah, sieht gut aus so mit die rauch von feuer, schöne bilder. aber wir machen grade aus, müssen nach haus, kind noch klein, muss ins bett.”
“Wollen sie eine wurst?” fragt die frau.
“ich bin nicht sie, ich bin du und nein, hab`kein`hunger…wollt ihr die fotos vielleicht haben, soll ich euch die schicken?”
“ja klar, kannst du schicken, mach ich vergrösserung für zimmer von tochter, ich geb dir nummer” und er gibt nummer “wirklich keine wurst?”
“nein, wirklich nicht” hätte sie nach bier gefragt, hätter er ja gesagt, aber die hatten garkein bier, die warn einfach nur mit ihrer tochter am see um bisschen abenteuer zu haben.
“seid ihr öfter hier?”
“ja oft, macht spass mit tochter am feuer, ein bisschen raus aus stadt, bisschen feuer. abendessen und spazieren an frische luft.” und er erfährt noch einiges über die familie und kriegt nochmal ´ne wurst angeboten und glaubt bald, dass es nicht so die gute idee war, sie zu behelligen: zu unterschiedlich sind ihre motive an diesem see zu sein und verabschiedet sich “ich schick euch die bilder” nimmt er sich fest vor. und setzt seinen kopfhörer wieder auf. deep purple wär jetzt vielleicht gut ‘smoke on the water’.

danach ‘child in time’ diesen absoluten wahnsinnssong der britenband und dann macht er wieder den zufallsgenerator an und lässt seinen musikmacher die akustische untermalung seines heimwegs gestalten: You’ll see the line…
Dümm Dümm Dümm dümmdelümmdedüdümmdümm DÜMM! DÜMM! DÜMM! DümmdelümmdedüDümmDümm DÜMM DÜMM DÜMM DÜMMDeLümmDeDüDÜMMDÜMM DÜMM!!! DÜMM!!! DÜMM!!!… uuuuhuuuuuhuuuu……
Wait for the ricochet

es gibt da noch diese geknickte brücke mit dem pavillon im knie, da wo der see anfängt, wo er ein wenig werweilt und auf den see zurückblickt mit tiamat´s ‘in a dream’ im ohr bevor er zur s-bahn kommt und ein wenig auf den nächsten zug warten muss, kapp 10 mínuten, udo lindenberg hilft ihm dabei: ‘ich bin der frische wind von berlin’ und die ‘kugel in deinem colt’ und marius müller westernhagen sagt: ‘lass uns lieben und leben immermehr’ und er möchte lautstark mitsingen doch kommt die bahn, und die ist voller grimmigkuckender menschen und er traut sich nicht. ‘das leben ist garnicht so schwer’ ha, der hat gut reden! und er ruft einen freund an: “bist du zuhause, kann ich vorbeikommen?”
“klar mann, ich freue mich!”
und er kauft am bahnhof tegel eine tüte bier und geht auf den bahnsteig zu seinem zug zum freund. till lindemann singt ‘ich werde in die tannen geh´n ‘ und lemmy ‘killed by death’ und neil young `down by the river i shot my baby’ und der bahnsteig ist ziemlich voll und der lautsprecher vermeldet irgendwas aber er hört immernoch neil young. der song ist ziemlich lang. auf der anzeigetafel steht, dass der nächste zug in 8 minuten fährt aber er sieht die angepissten gesichter der auf dem bahnsteig wartenden und schiebt seinen kopfhörer vom ohr. die musik läuft weiter doch hört er jetzt die ansage: sein zug fällt aus wegen ‘weichenschaden’. kacke! jetzt muss er nicht 8 sondern 18minuten warten. aber egal, er is krankgeschrieben und muss nächsten morgen nicht raus, das wetter ist freundlich und er hat mugge im ohr. zwar will er schnell zum freund aber was sind schon 10minuten…’This much madness is too much sorrow’ singt der neil und ausserdem ist es grad mal sieben, wenn auch schon ziemlich dunkel.
am falschen bahnsteig fährt ein zug ein und die meute wittert vorwärtskommen und stürmt den zug. scheissegal dass der lautsprecher verkündet: ‘der bahnverkehr richtung innenstadt ist unterbrochen. bitte nutzen sie die alternativen der BVG’ er fragt sich was die alternativen sein sollen, findet keine antwort, setzt seinen kopfhörer wieder richtig auf seine ohren und sich auf eine der metallbänke und beobachtet belustigt die frustrierte meute.
einer fällt ihm auf: schwarze jeans, schwarzes kapuzenshirt kapuze aufgesetzt und ein oller rucksack mit langen riemen hängt ihm fast aufm arsch. er scheint auch frustriert, aber eher von der meute als von der bahn und zeigt ´n vogel. keinem bestimmten, allen, oder einfach nur so. oder doch der meute. oder der bahn…wer weiss. er dreht um und entschwindet seinen blicken im treppenloch am ende des bahnhofs. freygangs andre singt ‘lustig ist das leben der rummelplatzbesitzer am stadtrand. die jungen spiel´n im sand, die alten django reinhardt…’
‘naja, wenn ich denn schon warten muss, kann ich auch´n bier trinken’ denkt er und machts auf. ‘auf die s-bahn! und die meute!’ das bier ist supermarktwarm und schmeckt trotzdem. eigenartig.
und dann kommt der kapuzenmann zurück aus dem treppenloch auf den bahnsteig und setzt sich auf die bank in seinem rücken und dreht sich ´ne zigarette.
“magst ´n bier?” fragt er ihn
“klar mann” sagt er.
“prost! auf die s-bahn!”
“und die meute!”
“hä?”
“ah, vergiss es, nur so..”
“okay”

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