hauptstadt

2015-11-10: heute war ich einkaufen beim “penny” am s-bahnhof storkower. beim rausgehen entdeckte ich ein schild dem ich entnahm, dass in letzter zeit eine bürgerumfrage stattgefunden haben musste, deren ziel es war, dieser kaufhalle einen namen zu geben. zu lesen war: sie haben entschieden, dieser markt heisst jetzt “penny am s-bahnhof storkower”

die stadt

in der ich noch wohne ist ohne zweifel eine schöne (wenn man dieses attribut mit diesem substantiv in einem satz benutzen will): sie ist bunt, sehr grün und ziemlich voll.
es gibt jede menge nette plätze, jede menge coole leute….aber wenn man das fast 30jahre lang gehabt hat, ist man satt davon und definiert schöne orte neu und möchte coole leute lieber als gäste bei sich zu hause imruhigen begrüssen, als sie jeden tag auf der strasse anzurempeln.
es ist bei weitem nicht mehr dieselbe stadt, in die ich damals 18 jährig eingezogen bin aber sie ist immernoch sehr fotogen in ihren ecken und kranken. viele jahre lang war ich praktisch nie ohne kamera in der stadt unterwegs, meist analog; jetzt nur noch selten und digital:

_MG_1566img_0388flughafensee

ungefähr seit der jahrtausendwende treibe ich mich viel lieber im fahrraderreichbaren nordöstlichen metropolenrandgebiet herum um beim fotografieren möglichst wenig menschen zutreffen. aber das wird immer schwieriger.
hier ein rundgang durch “mein” revier: nordnordost am metropolenrand nach westen
…dieser bericht ist bis jetzt nur eine idee, da kommt aber noch was…

wenn man

rotunde heinersdorfvon norden in die hauptstadt autofahren will, ist es am logischsten über die a114 in pankow zu penetrieren: autobahn ende – prenzlauer promenade – prenzlauer allee – alexanderplatz; immer nur gradeaus und schwupps mittendrin im zentrum. auto abstellen wird aber auf jeden fall teuer…aber das soll das problem nicht sein.
ganz kurz bevor die autobahn zur ampeltrasse wird überquert der autofahrer die brücke über den nicht mehr vorhandenen rangierbahnhof pankow und am anfang dieser brücke bemerkt der aufmerksame selbige zu seiner linken eine dachpappegedeckte kuppelartige ruine mit einer komplett zerstörten oberlichtreihe unter ihrer spitze… mehr sieht er nicht, da er ja über eine brücke in oberlichthöhe fährt…: die rotunde pankow-heinersdorf.

flächenmässig

ist der tierpark berlin der grösste in europa – sagt das begleitbuch zum besuch des selbigen.
geografisch ist er ein stück grenze zwischen alter- und sattelitenstadt im osten. zwischen beiden teilen verläuft der stark zurückgebaute eisenbahnring in wildem grün. ein wirklich sehr spannender ort für menschenscheue hauptstadtbewohner: einsamkeitsuchende insektenfotografen und illegale neubürger in ausgedientem stellwerk, jungnationalisten bei rituellen spinnereien und mafiosi bei entsorgungen, liebende beim flüssigkeitstransfer… aber allen gemein dürfte die akustische erfahrung sein, die man macht, wenn man kurz nach 19uhr, der schliesszeit des tierparks, hier verweilt: wie ein gemeinschaftliches “na endlich!!!” ertönen die stimmen aller tierparkinsassen für wenige minuten in lautstarkem uneinigen chorgebrüll einig in den abend! sehr beeindruckend und eindringlich!
und ausserdem ist dieser grünstreifen im gefühlten niemandsland der einzige ort, den ich kenne, an dem walderdbeeren auf autowracks wachsen…da, hinter´m tierpark.
…dieser bericht ist bis jetzt nur eine idee, da kommt aber noch was…

neulich

bekam ich ein gefalztes druckprodukt in die hand auf dem ich folgendes lesen durfte:
“Im Rahmen des Städtebauförderungsprogramms „Aktive Zentren“ werden Maßnahmen im Aktiven Zentrum City West durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit und durch das Land Berlin finanziert. Die öffentlichen Fördermitel sind durch private Ko-Finanzierung zu ergänzen.
Das Vorhaben
Vor etwa zwei Jahren wurde von Anwohner*innen und Anrainern der Lietzenburger Straße eine Umgestaltung und Aufwertung des Mittelstreifens gefordert. Eine Umfrage in der Nachbarschaft ermittelte Nutzungsverhalten und Gestaltungswünsche. Bei mehreren Treffen gab es die Möglichkeit, sich aktiv am Planungsprozess zu beteiligen. Ein fester Kern von ehrenamtlichen Bürger*innen, hat als „Aktionsgruppe grün-bunter Mittelstreifen“ bereits 2015 ein Picknick und eine Säuberungsaktion auf der Fläche veranstaltet. Mit dem Stecken von insgesamt 6.000 Blumenzwiebeln wurden im Herbst 2015 die ersten Schritte der Umgestaltung vollzogen. In enger Abstimmung mit dem bezirklichen Grünflächenamt
wurden Gestaltungsideen für den Mittelstreifen entwickelt, welche Grundlage für die weitere Planung bis zur Ausschreibung der Bauleistung waren.”

eehhh loide! das is´n mittelstreifen einer sechsspurigen hauptstrasse mit 24stunden dauerverkehr im centrum-west! freiwillig bin ich da nie und blumenzwiebel wär´ ich da auch nur ungern. ein schöner platz für hundekacke und schnapsleichen…sonst nix!
ein anwohner meint dazu:

“Durch das gemeinsame Engagement von uns Bürger*innen und dem Bezirksamt wird der Mittelstreifen ein Ort für Anwohner*innen und Gäste zum Durchqueren und Verweilen, eine wohnortnahe, grün-bunte Oase inmitten der Großstadt.”

…na dann!
das schöne an einer haupstadt die notorisch pleite ist, ist auch das fehlende geld für die grünpflege. ich erfreue mich immer sehr am wildwuchs der momentan maximal 2mal pro jahr entfernt wird (jedenfalls da, wo die reichen und schönen nicht sein sollten…) und dann sowas!
aber irgendwer wird da schon gut dran verdienen…

man wohnt nicht einfachso 30jahre in dieser stadt

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.